Van der Bellen und die andere Welt

Übermorgen feiert Alexander Van der Bellen seinen Abschied vom Parlament.

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Purgertorium Alexander Purger

Der langjährige Parteichef der Grünen wechselt in den Wiener Landtag, womit die Bundespolitik einen ihrer interessantesten Redner und die zugehörige Journalistik einen ihrer lohnendsten Interviewpartner verliert.

Dabei war der grüne Professor gar nicht so sehr berühmt für das, was er sagte, sondern für die Sekunden dazwischen. Van der Bellen pflegte zwischen den Sätzen so lange Pausen zu machen, dass alsbald der in der Politik unerhörte Verdacht aufkeimte, dass der Mann nachdenkt, ehe er spricht.

Wenn man sich zum Abschied noch einmal seine Interviews und Reden durchsieht, bemerkt man, dass Van der Bellen überraschend oft über Hunde redete. Dazu eine Anekdote.

Vor vielen Jahren hielten die Grünen eine Klausurtagung im Burgenland ab. Es war Sommer, das Wetter war schön, und war es aus diesem Grund oder aus einem anderen, jedenfalls hatte einer der aus Wien angereisten Journalisten seinen Hund mitgebracht. Die Pressekonferenz begann, der Terrier ließ sich mit einem vernehmlichen Seufzer unter den Journalistentisch plumpsen, da merkte Van der Bellen auf und sagte, noch ehe er mit seinem politischen Sermon begann: "Ich begrüße auch die Gäste aus der anderen Welt!" - Nicht der Hund (dem war das eher wurscht), wohl aber sein Besitzer fraß dem Grünen-Chef fortan aus der Hand. Man kann ja einem Hunde-Eigner bekanntlich keine größere Freude bereiten, als um seinen Liebling ein möglichst großes Tamtam zu veranstalten.

Szenenwechsel. Im Wahlkampf 2008 ging es u. a. um Gewaltlosigkeit. Van der Bellen wurde auch dazu befragt und sagte: "Wenn vor meinen Augen ein Hund gequält würde, dann garantiere ich nicht, dass meine Reaktion aus Zorn vor Gericht nicht als Überschreitung der Notwehr gewertet würde."

Bereits Jahre davor - 2001 - hatte er einen denkwürdigen Satz zum Thema Hund gesprochen. Der Anlass waren Berichte, wonach Ex-Kanzler Viktor Klima bei seiner Übersiedlung nach Argentinien seinen vormals berühmten Hirtenhund Grolli im Burgenland in tristen Verhältnissen zurückgelassen hat. "Das war die schlimmste Nachricht dieser Woche", sagte Van der Bellen in einer Parlamentsrede. "So geht man nicht mit einem Hund um. Das muss einmal gesagt sein."

Mittlerweile besitzt Van der Bellen selbst zwei Hunde. Einer der beiden hat wie Van der Bellen einen grau melierten, struppigen Bart. Bei den in den USA beliebten Herrl-Hund-Ähnlichkeitswettbewerben könnten die beiden glatt eine Profikarriere anstreben. Falls das im Wiener Landtag nix wird.

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