Alles läuft wie geschmiert

Mögliche Gründe, warum man bei Gluthitze Marathon laufen lässt.

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Querschläger Fritz Messner

Reihenweise Athletinnen, die vor totaler Erschöpfung torkeln, stürzen und dann halb bewusstlos in Rollstühlen abtransportiert werden - Bilder vom Frauen-Marathonlauf bei der Leichtathletik-WM in Doha, der bei 33 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 74 Prozent abgehalten wurde. Doha ist die Hauptstadt von Katar und liegt auf der arabischen Halbinsel. Nun stellt sich jeder halbwegs intelligente Mensch die Frage, warum man einen solchen Bewerb ausgerechnet an diesem Ort veranstalten muss, wo noch dazu die durch sklavenartig gehaltene nepalesische Fremdarbeiter errichteten Stadien halb leer sind, obwohl die meisten Sitze ohnehin schon mit Werbeplanen abgedeckt wurden.

Eine mögliche Antwort ist, dass die großen "Sport"-Verbände die Bewerbe nur mehr dorthin vergeben, wo Geld keine Rolle spielt, wo irrwitzige Vorgaben erfüllt werden und wo am meisten für sie und ihre Funktionäre herausspringt. In wirklichen Demokratien ist das nur mehr schwer durchsetzbar, deshalb kommen immer mehr Diktaturen oder Scheindemokratien zum Zug, wo die Herrscher den Sport nutzen, um von ihren menschenverachtenden Regimes abzulenken und sich positiv darzustellen. Und das fossile Schlaraffenland auf der arabischen Halbinsel ist da natürlich ganz weit vorne, weil Öl ja bekanntlich auch ein sehr gutes Schmiermittel ist. Die Geschäfte laufen wie geschmiert und die Sportler und Zuschauer sind die Angeschmierten. Die Fußball-WM 2022 findet übrigens auch in dieser glühend-lauschigen Scharia-Monarchie statt.

Aber vielleicht täusche ich mich ja und die Verbände denken einfach nur an die Zukunft und wollen in Zeiten des Klimawandels testen, ob und wie man bei uns in dreißig Jahren noch Sport treiben kann.

Aufgerufen am 17.10.2019 um 12:05 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/alles-laeuft-wie-geschmiert-77484328

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