Beschwerde wegen Berufsschädigung

Der König als Hofnarr ist weder dem Volk noch dem Kasperl zumutbar.

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Querschläger Fritz Messner

Liebe Politikerinnen und vor allem Politiker, ich gehöre beileibe nicht zu jenen, die euch gerne pauschal aburteilen, trotzdem möchte ich mich heute in meiner Funktion als Kabarettist und Kolumnist nachdrücklich bei euch beschweren. Eigentlich gäbe es eine bewährte Rollenaufteilung zwischen unseren Berufen. Ihr Politiker bekommt von den Staatsbürgern Macht verliehen und regiert das Land - und wir beobachten euch ganz genau dabei. Und wenn ihr eure Macht missbraucht oder eure Politik ganz einfach schlecht ist, dann zeigen wir es auf, indem wir gewisse Ereignisse und Situationen satirisch überhöhen, also übertreiben und so auf den Punkt bringen.

Wir hätten also in der Demokratie quasi die Rolle des Hofnarren inne, der dem König den Spiegel vorhält. Das hat sehr lange eigentlich ganz gut funktioniert, in letzter Zeit scheinen die Grenzen aber zusehends zu verschwimmen. Was manche von euch mit und in ihren Funktionen aufführen - und ich erspare mir hier die Nennung bestimmter Personen und die Darstellung bestimmter Vorfälle und Inszenierungen, denn die sind eh bekannt -, ist nichts anderes als Politkabarett auf tiefstem Niveau und auch mit den schärfsten satirischen Mitteln nicht mehr zu überzeichnen. Und das ist in höchstem Maße berufsschädigend für unser Gewerbe. Der König als Hofnarr ist weder dem Volk noch dem Kasperl zumutbar.

Zum Abschluss möchte ich noch ein ernstes Wörtchen an jene richten, die euch engagieren, also an die Wähler: Falls ihr euch einfach das Eintrittsgeld für das Kabarett ersparen wollt, indem ihr auch manch ausgewiesenen Narren auf die politische Bühne hebt, dann täuscht ihr euch gewaltig. Der Preis dafür ist ungleich höher - nicht nur finanziell.

Aufgerufen am 03.12.2021 um 12:04 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/beschwerde-wegen-berufsschaedigung-77484394

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