Billiges Hilfspersonal für Antidemokraten

Wer gezielte Falschmeldungen teilt, macht sich zum Handlanger übler Kräfte.

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Querschläger Fritz Messner

Ein Bild auf Facebook: Tausende Menschen am Ufer und zig überfüllte Boote, dazu die Erklärung, das wäre eine Aufnahme aus einem libyschen Hafen, wo gerade eine neue, riesige Flüchtlingswelle nach Europa aufbräche, und dass man solche Bilder in den "etablierten Medien" nie zeigen würde. Die Reaktion: Es wurde über neuntausend Mal geteilt und aufgebracht kommentiert. In Wahrheit war es eine Aufnahme von einem Konzert der Popgruppe Pink Floyd, das 1989 vor 200.000 Besuchern in der Lagune von Venedig stattfand.

Ein anderes Posting "deckt auf", dass Krebs ohne weiteres in zwei Wochen heilbar wäre, dass aber die EU auf Druck der Pharmaindustrie die Verbreitung dieses Wissens mit allen Mitteln verhindern würde. Auch diese abstruse Falschmeldung wurde hundertfach geteilt und ich könnte noch viele ähnliche anführen. Diese Taktik, die meist von rechten Plattformen angewandt wird, soll die Menschen im Bereich existenzieller Bedürfnisse wie Sicherheit und Gesundheit erschüttern und sie so für autoritäre Ideologien zugänglich machen.

Erschreckend für mich ist, dass diese Posts auch von vielen meiner Facebook-"Freunde" geteilt und höchst emotional kommentiert werden, mitunter auch von solchen, die keine dummen und frustrierten Armutschkerl sind, sondern angesehene Mitbürger in verantwortungsvollen Positionen. Was denken die sich dabei? Es dauert genau zwei Minuten, um so etwas als dreisten Betrug zu enttarnen. Man kann über alles - wirklich alles - kontrovers und hart diskutieren, aber nur auf Basis von recherchierten und gesicherten Fakten. Wenn wir diese Ebene verlassen, ist Demokratie nicht mehr möglich und die hinterhältige Taktik der Informationsterroristen geht auf.

Aufgerufen am 10.12.2018 um 05:08 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/billiges-hilfspersonal-fuer-antidemokraten-31556728

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