Corona und die Schlüsse daraus

Das Virus, das die Schwachstellen der Globalisierung aufzeigt und zum Umdenken anregt.

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Querschläger Fritz Messner

Dass es uns nicht kümmern muss, wenn in China ein Fahrrad umfällt, ist eine Floskel, dass es unser Leben aber völlig auf den Kopf stellen kann, wenn in China jemand hustet, wissen wir spätestens seit Dienstag.

Zwei Monate nach dem ersten Huster in Wuhan ist Italien Notstandsgebiet, Wirtschaftskreisläufe stocken, Linienmaschinen und Frachtschiffe stehen still, Veranstaltungen werden abgesagt, Schulen und Unis geschlossen, Produktion wird zurückgefahren und die Börsen röcheln gewaltig.

Menschen, die selbst keine Entscheidungen verantworten müssen, sagen, das wäre alles nur Medienpanik und die Maßnahmen seien völlig übertrieben. Selbst wenn das so wäre, spielte es für die Auswirkungen auf das Alltagsleben keine Rolle, denn die Medienmaschinerie, die diese (angebliche) Panik befeuert, gehört ja ebenfalls zum System.

Und dieses globale Hochleistungssystem ist dermaßen an seinem Limit angelangt, dass anscheinend ein Huster genügt, um es zum Wanken zu bringen. Das Virus offenbart brutal seine Schwächen und könnte der Anlass sein, es endlich zu überdenken.

Das wird ein langer Prozess werden, wir hier können uns aber mittlerweile überlegen, wie es um unsere Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln, Energie, Medikamenten und anderen unverzichtbaren Dingen steht, und ob wir deren Produktion nicht wieder selbst in die Hand nehmen sollten.

Denn Corona wird sicher nicht der letzte und stärkste Hustenanfall des überzüchteten Weltwirtschaftssystems sein. Ich möchte hier keine zeitgeistige Katastrophenkoketterie betreiben, aber alle substanziellen Ressourcen, die wir selbst produzieren, schaffen nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung, sondern stehen uns im Ernstfall auch zur Verfügung.

Aufgerufen am 25.01.2021 um 12:28 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/corona-und-die-schluesse-daraus-84832537

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