Die guten und die bösen Umweltschützer

Wie umweltbewusste junge Menschen gegeneinander ausgespielt werden.

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Querschläger Fritz Messner

Neulich sind Jugendliche in mehreren Gemeinden losgezogen, um Müll einzusammeln. Bald waren ihre Säcke prall gefüllt, vor allem mit Plastik- und Verpackungsmüll. Ich finde die Aktion toll und ziehe meinen Hut vor diesen jungen Menschen. Sie wurden dafür von vielen Seiten gelobt, manche versuchten aber auch, sie gegen jene auszuspielen, die an den Freitagen für den Umweltschutz protestieren. Sie zogen eine Linie zwischen den guten Müllsammlern und den bösen "Demonstrierern, die nur die Schule schwänzen". Dazu Folgendes: Man könnte sich die Frage stellen, wohin der gesammelte Müll jetzt geht.

Im schlimmsten Falle wird der nämlich exportiert, um die halbe Welt geschippert und landet, weil die dortigen "Müllverwerter" völlig überlastet sind, an einem Strand in Malaysia oder im Pazifik. Und diese Doppelbödigkeit unserer Umweltpolitik nach dem Motto "aus den Augen, aus dem Sinn" ist eigentlich auch ein Betrug an den jungen Müllsammlern. Es wird ja jetzt im Wahlkampf aus allen Ecken sehr viel über Umweltschutz gesäuselt. Die wirkungsvollste Methode zur Müllvermeidung wäre eindeutig das Verbot von Müllexporten. Denn wenn jedes Land seinen Dreck selbst entsorgen müsste, würden plötzlich Maßnahmen gegen den Verpackungswahnsinn möglich sein, die jetzt als völlig unmöglich abgetan werden - wetten?

Und dass der Druck auf den Politikern in Umweltthemen auch nach der Wahl bestehen bleibt, dafür sind - unter anderem - die Freitagsdemos da. Und alleine dadurch erfüllen sie eine wichtige Funktion, auch wenn, wie bei jeder populären Bewegung, viele Trittbrettfahrer dabei sein sollten. Und die Verbissenheit ihrer Kritiker scheint zu belegen, dass sie ziemlich richtig liegen dürften.

Aufgerufen am 16.09.2019 um 10:08 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/die-guten-und-die-boesen-umweltschuetzer-76058926

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