Festg'spielt wird!

Für eine deftig-bodenständige Neuausrichtung der Salzburger Festspiele.

Querschläger | Alltagsleben in Salzburg SN

In Ermangelung eines Präsidenten zur Eröffnung wurde heuer gleich auch der Auftritt der Militärmusik gestrichen und stattdessen die Trachtenmusik und die Schützenkompanie aus Golling engagiert, um dem versammelten Kulturadel den Marsch zu blasen. Das könnte sprichwörtlich der Startschuss zu einer völligen Neuausrichtung der Festspiele sein. Wozu sollen wir uns eigentlich sauteure internationale Stars leisten, die sich bei diversen Promiauftrieben dann erst wieder in Lederhosen und Dirndlkleider zwängen, wenn wir selber genug Talente haben, die sowohl Lederne und Dirndl als auch das Festspielprogramm ohne Weiteres füllen könnten. Das wäre billiger, würde weitgehend dem gegenwärtigen Zeitgeist entsprechen, der ja ohnehin immer mehr ins Volkstümliche und Kleinkarierte kippt, und würde sicher auch wieder mehr gewöhnliches Volk in die Kulturtempel locken.

Nach der zünftigen Eröffnungsrede eines ausgewählten Sparvereinsobmanns könnte die deftige Neuinszenierung "S' Jedermanndl und sei Buhlschaftsweibi" der "Nudlwalker Bauernbühne" den Festspielreigen eröffnen.

Ein Höhepunkt des Sommers könnten die im Oberkrainerstil runderneuerten und in den Dialekt übersetzten Mozartopern "So machen's alle Weiberleit" (ehemals: Così fan tutte), "Da Weiberer Hansl" (Don Giovanni) und "Heit' heirat' da Frisör" (Le nozze di Figaro) werden. Das Musical "Schattseitstory", dargeboten von der allseits beliebten "Rudlbrunzer Bierzeltmusi" in Zusammenarbeit mit dem "Polizeisingkreis Planquadrat" dürfte natürlich auch nicht fehlen.

Und für die Hauptrollen in Thomas Bernhards Stück "Der Ignorant und der Wahnsinnige" wären in der heimischen Innenpolitik sicher reihenweise Traumbesetzungen zu finden.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 05:37 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/festg-spielt-wird-1214068

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