Generation Handy to Go

Ein Appell gegen die Verteufelung der Mobiltelefone im Straßenverkehr.

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Querschläger Fritz Messner

Laut einer Studie steigt die Zahl der Unfälle mit Fußgängern. Als maßgeblicher Grund dafür wird die Ablenkung durch Mobiltelefone angegeben. Das Einfachste wär jetzt natürlich, technikfeindliche Uraltparolen wie "Die Augen gehören auf die Straße" oder "Handys haben im Straßenverkehr nichts verloren" nachzuplappern - wie weltfremd. Auch Kompromisse wie Bodenmarkierungen für Dauerhandybenutzer, damit diese nicht virtuell benebelt in Verkehrszeichen donnern oder SMS-trunken auf die Fahrbahnen torkeln, sind nur untaugliche Mittel. Wer allen Ernstes glaubt, die Augen, Ohren, Münder und Gedanken der Menschen jemals wieder von den Hightech-Gurken lösen zu können, glaubt wahrscheinlich auch an eine mögliche Abschaffung der Schwerkraft.

Es ist eine Tatsache, dass das Handy ein neues Körperteil und Sinnesorgan des Menschen geworden ist. Das ist quasi
die erste Stufe zur Verschmelzung von Mensch und Technik, die Urform des menschlichen Cyborg. Deshalb wird das Handy in Zukunft auch für mehr Verkehrssicherheit sorgen. In der Anfangsphase wird das Handy-Display des Fußgängers seinem menschlichen Anhängsel lediglich die Gefahren und Hindernisse in Echtzeit anzeigen und auf jenem des Autofahrers wird, solange er noch selber fahren muss, ebenfalls eine Warnung erscheinen, samt mehreren Übertragungen der Situation aus verschiedenen Perspektiven. In der fortgeschrittenen Phase werden sich dann gekoppelte Algorithmen untereinander ausmachen, was zu tun ist, und die menschlichen Anteile der humantechnoiden Symbiose können sich ungestört und ferngesteuert auf ihre weitere Vereinigung konzentrieren, ohne von der analogen Umwelt belästigt zu werden. Sie halten das für übertrieben? Abwarten.

Aufgerufen am 20.09.2018 um 08:41 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/generation-handy-to-go-25092241

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