Home-Shopping für's Hoamatg'fühl

Wie man zwar unglaublich heimatverbunden ausschaut, aber das Gegenteil bewirkt.

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Querschläger Fritz Messner

Als ich gestern las, dass ein heimischer Bekleidungshersteller mit Schwerpunkt Trachtenmode seine Produktion in Salzburg-Gnigl einstellen wird, war mein erster Gedanke: Wie denn das, in einer Zeit, in der genau diese Art der Be- und Verkleidung einen Höhenflug erlebt wie selten zuvor? Es ist momentan ja beinahe unausgesprochene Pflicht, mit seiner textilen Heimatverbundenheit oder dem, was man dafür hält, in der Landschaft und auf Selfies zu prangen.

Der Geschäftsführer des Unternehmens argumentierte, dass die Betriebsphilosophie, ausschließlich in der HEIMAT zu produzieren, mittlerweile zu teuer sei, weil der Trend zum Home-Shopping gehe. Im Klartext: Hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Firma verlieren nun ihren Job, bei dem sie in der HEIMAT etwas herstellen, was in der HEIMAT momentan absolut gefragt ist und Wertschöpfung für diese HEIMAT erbringt, weil die Kunden, die ihre HEIMAT so gerne an sich herumtragen, lieber bei Internetfirmen, die in dieser HEIMAT so gut wie keine Steuern bezahlen, massenhaft trendig-trachtiges Outfit online bestellen, das nicht in der vielgelobten HEIMAT, sondern in Billiglohnländern fern der HEIMAT produziert wird.

Die ganze Geschichte ist ein Musterbeispiel dafür, wie oberflächlich der angesagte Heimat-Trend oft ist. Natürlich wird auch ein Großteil der anderen Bekleidung nicht in Salzburg oder Österreich hergestellt, aber gerade die Trägerinnen und Träger von Trachtenbekleidung müssten hier wohl eine Vorbildfunktion einnehmen. Wer es also wirklich ernst meint, weiß, was er tun kann: Es gibt (noch) Firmen mit heimischer Produktion. Ein neues Wegwerf-Dirndl für jede Saison ist dann aber wahrscheinlich nicht mehr drinnen.

Aufgerufen am 01.10.2020 um 11:14 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/home-shopping-fuer-s-hoamatg-fuehl-67888702

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