Integration in der Mausefalle

Ein kurzer Traum von Einösterreicherungen über die schiefe Ebene.

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Querschläger Fritz Messner

An einem Wintertag zuerst die Natur genießen und dann mit einem Packen Zeitungen vor dem Ofen knotzen und nebenbei den Fernsehsport laufen lassen - das ist fein. Ich las einen Artikel über Alma Zadić, die eine Musterintegration vom bosnischen Flüchtlingskind zur Justizministerin hingelegt hatte, was ihr aber gerade bei jenen, die am lautesten Integration fordern, lediglich untergriffige Attacken einbrachte. Daneben lief das Hahnenkammrennen, bei dem die heißgeliebten Gladiatoren des Wintertourismus über Mausefalle, Steilhang und Hausbergkante ins Ziel schossen, wo sie von einem rot-weiß-roten Fahnenmeer empfangen wurden, in dem man die patriotischen Botenstoffe förmlich wabern sehen konnte; und ich dachte mir, dass die dort eigentlich eh viel besser aufgehoben sind als bei den meisten Anlässen, an denen sie sonst abgesondert werden. Eine Lokalzeitung berichtete über einen afghanischen Asylbewerber, der in drei Wochen Ski fahren lernte, weil er einen Job als Liftler bekommen hatte - und plötzlich war mir klar, wie Integration gelingen würde: Die müssen alle auf die Brettln! Der eigene Nachwuchs will eh lieber mit dem Computer wedeln, also gibt es ohnehin eine oft bejammerte Lücke. Und spätestens, wenn dann der erste Einwanderer als Hahnenkammsieger die nationale Ehre rettet, weil er einen Schweizer Dreifachsieg verhindert, ist es geschafft. Plötzlich sah ich schon die erste österreichisch-muslimische Gesamtweltcupsiegerin auf das Podest steigen, auf ihrem Kopftuch prangte das Logo eines Koffeinkracherlherstellers und die Menge jubelte ihr frenetisch zu.

Und dann wachte ich auf - der tosende Applaus dürfte lediglich ein ausgedehnter Schnarcher meinerseits gewesen sein.


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