Karawankisches Karibikfeeling

Der heimische Tourismus kann auch eingefleischte Fernreisende glücklich machen.

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Querschläger Fritz Messner

Man muss ihnen nur - mit etwas Phantasie - genau das bieten, was ihre Traumurlaube so unvergleichlich macht. Sie checken zum Beispiel ganz normal in Schwechat ein und steigen in den Flieger. Dieser düst dann aber nicht in die Dom Rep, sondern wird mit Sattelschleppern nach Kärnten gezogen, was etwa gleich lang dauert. Die Einfahrt in den ersten Tunnel mit noch vorhandenen Flügeln kann durchaus als schwere, atlantische Turbulenz kommuniziert werden.

Nach der "Landung" am Flughafen von Vado de Lamento (ehemals Klagenfurt) werden sie in durch Standheizung auf 65 Grad vorgewärmte Flughafentaxis gestopft und einige Stunden lang im Kreis durch die Pampas von Cerro Dio und Monte Chamariz (Gottesbichl und Zeiselberg) kutschiert. Im ehemaligen Hotel Hubertus in Sekirn, das von arbeitslosen Bühnenbildnern verschiedener Festspiele in den All-inclusive-Tempel Casa Umberto Beach Excelsior umgestaltet wurde, warten schon die Willkommensdrinks, das Schnitzelbuffet und die Handtücher für die Liegestuhlreservierung. Und dann geht es ab an die Playa, die ehemalige Liegewiese des alten Campingplatzes Waldesruh, auf der mittels umgebauter Schneekanonen tonnenweise weißer Karawankensand zwischen die täuschend echten Kunstpalmen geblasen wurde. Und wenn sie dann endlich im ehemaligen Fischzuchtbereich der Bucht, der mit den Resten der Winterstreusalzdepots und ein paar Säcken Plastikmüll zum Ozean upgegradet wurde, die pure Karibik auf der Haut spüren, steht dem Traumurlaubsfeeling nichts mehr im Wege.

Zwei Wochen später werden sie dann nach 36 Stunden Startverzögerung im glühend heißen Aeroporto wieder zurück nach Schwechat gezogen und steigen dort wunschlos glücklich aus dem Flieger.

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