Land der Lappen?

Wie manches alte Sprichwort die neue Zeit treffend spiegelt.

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Querschläger Fritz Messner

Manchmal zwingt uns das (zufällige?) zeitliche Zusammentreffen von Ereignissen förmlich, über mögliche Zusammenhänge nachzudenken. Da war zunächst die unsägliche Präsentation des High-End-Chalet-Dorfs in Mittersill samt "nachhaltigem Porsche", die auf den Punkt brachte, wie abgehoben und ohne jegliches Gespür für die Natur und die Menschen in manchen Bereichen und Regionen mittlerweile gefuhrwerkt wird. Kurz darauf folgte dann die Naturkatastrophe mit Hunderten Murenabgängen, teilweise bis weit in bewohnte Gebiete hinein, die großen Schaden und großes Leid verursachte. Danach gab es fast niemanden mehr, der nicht zumindest leise Zweifel hegte, ob die Art und Weise, wie wir mit unserem Lebensraum umgehen, dessen Bedeutung entspricht.

Es ist schon richtig, der Tourismus hat aus vielen bettelarmen Dörfern im Land wohlhabende Gemeinden gemacht und deshalb glauben dort auch viele, man könne dieses Rad ewig weiter und immer schneller drehen. Mein Vater, der aus dem Gasteinertal stammte, machte uns manchmal mit dem Spruch "Nur de Lapp'n wiss'n nid, wann's gnuag is'" klar, dass wir gerade dabei waren, gehörig über das Ziel hinauszuschießen. Und mit "Lapp'n" waren dabei nicht die indigenen Einwohner Lapplands gemeint, die übrigens Samen heißen, sondern die Narren. Aber wer, der genug Autorität und Einfluss hat, sagt jetzt den Entscheidungsträgern in den Gemeinden, dass wir drauf und dran sind, Lappen im Sinne des Sprichworts zu werden?

Natürlich spülen ständig neue Projekte und Erweiterungen Geld in viele Kassen, nur wird irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem der Schaden höher ist als der Gewinn. Und spätestens ab dann werden sich alle läppischen Ausreden bitter rächen.

Aufgerufen am 10.12.2019 um 04:07 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/land-der-lappen-79893685

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