Piefke-Saga Lercherlschas dagegen

Über den gesellschaftspolitischen Aspekt mancher Tourismusprojekte.

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Querschläger Fritz Messner

Was haben wir uns nicht zerkugelt über die ersten drei Teile der Piefke-Saga, in denen ein paar Dorfkaiser im touristischen Goldrausch alles verscherbelten, was ihnen kurz vorher noch heilig gewesen war. Im Vergleich mit der heutigen Realität erscheint das aber alles fast ein wenig rührend. Wenn heute in Tirol ein Berggipfel der unendlichen Erweiterung eines Rutsch-Imperiums im Weg steht, sprengt man ihn halt einfach weg. Und wir in Salzburg bauen Luxus-Chalets in die Natur auf 1200 Meter Seehöhe, die dann zwischen 5,5 und 8,5 Mille kosten, inklusive eines extrem nachhaltigen E-Porsches in der Garage. Damit will man Leute anlocken, die bisher nur in St. Moritz herumgerutscht sind, damit auch bei uns alles noch exklusiver und teurer wird. Abgesehen von ökologischen und raumplanerischen Aspekten ist das Bling-Bling-Dörfchen auch ein gesellschaftspolitisches Symbol mit nicht zu unterschätzender Wirkung.

Finanzieren lässt sich so was heute ja leicht bei den gängigen Zinsen. Aber was denken sich Einheimische dabei, die nicht nur durch diese niedrigen Zinsen - mit denen sie praktisch solche Projekte mitfinanzieren, ohne daran zu profitieren -, sondern auch durch die stetige Wohnkostensteigerung, die der Zweitwohnungsdruck mitverursacht, in den letzten 20 Jahren trotz des Tourismus-Booms einen realen Wohlstandsverlust erlitten?

Braucht man die auf Sicht überhaupt noch als Bewohner solcher Regionen oder stehen sie als lästige Billigmieter nur mehr im Weg wie der Gipfel zwischen Ötz- und Pitztal?

Siedelt man sie zum Einpendeln aus oder enden sie gar als widerständlerische Alpin-Guerillas, wie die letzten echten Tiroler im vierten Teil der Piefke-Saga? Man darf gespannt sein.

Aufgerufen am 22.11.2019 um 07:24 auf https://www.sn.at/kolumne/querschlaeger/piefke-saga-lercherlschas-dagegen-78834409

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