Eine Schule der Langsamkeit inmitten des Drangs zur Beschleunigung

Blockieren in Salzburg zu viele Fiaker und andere Gespanne den Verkehr? Das Gegenteil ist der Fall.

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Salzburg quer Othmar Behr

Da traben die Gäule durch die Moosstraße, wo eh alles so eng ist. Herrschaft noch einmal, da gibt es kein Vorbeikommen. Was haben die Viecher heutzutage auf der Straße noch zu suchen? Muss das wirklich sein?

Wem ist es am Steuer eines Auto noch nicht so gegangen? Die Zeit drängt. Der Gasfuß sendet Signale in Richtung Gehirnzellen: "Nieder mit dem Pedal." Da zuckelt vor einem so ein Gespann.

Es muss wirklich nicht sein. Aber es ist gut, dass es solche Gespanne in Salzburg gibt. Sie wirken wie Wellenbrecher im Alltag auf der Straße. Sie sind eine Schule der Langsamkeit. Sie ermöglichen Atempausen für andere Verkehrsteilnehmer. Sie vermitteln Eindrücke aus jenen Zeiten, als die Geschwindigkeit eines Fuhrwerks als Maßstab für Tempo galt.

Wer im Auto zum Yoga oder ins Fitnesscenter hetzt, bekommt durch ein Gespann im Vorfeld und kostenlos eine Gelegenheit zur Entspannung.

Ja, aber wie ist das mit den armen Pferden zwischen den vielen lauten Autos? Tierschützer nützen jeden Zwischenfall mit einem Zugtier auf der Straße, um Verbote zu fordern.

Pferdehalter sehen das anders. Die Einsatzzeiten seien begrenzt, die Erholphasen lang und die Tiere gewöhnten sich problemlos an den Verkehr. Auf öffentlichen Straßen unterwegs sind nicht nur Fiaker. Es bewegen sich Pferde im Dienst einer Brauerei. Es biegen Gespanne im Training für sportliche Wettkämpfe hin und wieder von Feldwegen auf Straßen ab. Innehalten, den Anblick genießen und, wenn es passt, zügig vorfahren. Das sind die besten Reaktionen.

Pferde werden seit Jahrtausenden als Arbeitstiere eingesetzt. Ob und wie weit sich ein Pferd dabei wohlfühlt, wird nie zu hundert Prozent erforschbar sein. Es gibt Gesetze zum Schutz und es gibt die Verantwortung der Halter.

Nutztier sein ist nicht die einzige Rolle des Pferdes. Es wurde zum Freund des Menschen. Freunde bleiben Freunde, wenn der Kontakt aufrecht bleibt. Eine Stadt mit Gespannen auf den Straßen, die versteckt ihre Freunde nicht.



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