Auch wir haben unsere Stärken

Diese Demütigungen durch Bildungsvergleichstests sind "inakzeptabel". Wir müssen unsere traditionelle Spitzenposition verteidigen.

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Schlis Lauschangriff Helmut Schliesselberger

Wir dürfen uns durch diese PISA-Erbsenzähler nicht so kleinmachen lassen: Es muss Ziel sein, die Stärken unseres Schulsystems zu fördern und nicht nur auf den Schwächen rumzuhacken. Schließlich gibt es Domänen, in denen wir weltweit führend sind. Diese Spitzenpositionen gilt es zu verteidigen und nicht durch Reformen zu gefährden.

Durch die Abschaffung der Bezirksschulräte und der Bezirksschulinspektoren und die dräuende Abschaffung der Landesschulratsvizepräsidenten droht nämlich ein Absturz in den einzigen bildungspolitischen Domänen, in denen wir in allen Vergleichstests führend waren. Gefährlich sind da auch die geplanten Bildungsdirektionen, die Landesschulräte und Schulabteilungen der Länder ersetzen und Landesschulratskollegien unnötig machen sollen.

Denn nur bei den Testbereichen "aufgeblähteste Schulverwaltung" und "undurchsichtigste Schulfinanzierung" erreicht Österreich noch Spitzenwerte. Die dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden. Da sind sich rot-schwarze Bildungsexperten, Gewerkschafter und Ländervertreter einig, nicht nur, weil sie längst nicht mehr alle mäßig engagierten Parteigänger in der Sozialversicherung unterbringen.

Gelebte Verwaltungs-Diversität hebt uns aus der Masse der Länder mit schlankheitwahnsinnig eingleisigen Einheitsbrei-Schulverwaltungen. Zum Glück haben wir Bildungspolitiker, die vom Ungeist der Verwaltungsvereinfachung nicht infiziert sind. Als klassischer Kompromiss steht nun die Einführung von neun Bildungsdirektionen als Zusatz-Verwaltungsebenen unter Beibehaltung der Landesschulräte, Bildungsabteilungen und anderer Kollegien an.

Denn wer stillsteht, fällt in der Welt der wuchernden Bildungsverwaltung zurück. Auf Dauer können wir die Spitze nur verteidigen, wenn wir bestehende Doppelgleisigkeiten zu Drei- und Vierfachgleisigkeiten ausbauen.

Fünf nicht amtsführende Bildungsminister sind überfällig. Die FPÖ ist dafür, wenn Uschi Stenzel den Posten kriegt. Um die Einrichtung einer in Permanenz tagenden proporzmäßig besetzten Bundesbildungskonferenz plus Landesbildungskonferenzen sowie einer Bildungsanwaltschaft mit 140 Mitarbeitern werden wir nicht herumkommen. Wichtig waren da selbst kleine Schritte wie die Schaffung des Bildungsinstituts Bifie, das Arbeit erledigt, die eigentlich im Ministerium gemacht werden müsste.

Nicht einmal die Schulbehörden-Reform 2013 hat die Spitzenposition gefährdet. Die abgeschafften Bezirksschulräte wurden zu "Außenstellen des Landesschulrats", abgeschaffte Bezirksschulinspektoren heißen "Pflichtschul inspektoren" und tun, was sie immer taten.

Immerhin: Die Bindung an ein Parteibuch bei der Schuldirektorenbestellung wird abgeschafft, heißt es. Wer Direktor werden will, muss künftig zwei Parteibücher vorweisen.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 01:00 auf https://www.sn.at/kolumne/schlis-lauschangriff/auch-wir-haben-unsere-staerken-604288

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