Herr Karl oder Herr Karl-Heinz? (K)ein Vergleich - Offener Schluss

Unser sommerlicher Textvergleich endet Herr- Karl-gemäß mit einem versöhnlichen "Du bist's net." - Wenn er's doch war, müssen wir alles wieder umschreiben . . .

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Schlis Lauschangriff Helmut Schliesselberger

Ich mein, nicht dass ich blind wär' gegen die Fehler der Regierung . . . i war ja immer kritisch. Ich hab immer alles durchschaut . . . auch a Regierungsmitglied, wann i mir's so anschau . . . der is aa net anders wie i. Und i kenn mi. So san de alle. Aber bitte - es geht mi nix an. Ich mache meine Arbeit, ich kümmere mich nicht um Politik, ich schaue nur zu und behalte es für mich. (Anm.: Es gilt neben der Unschuldsvermutung hier auch die originale Herr-Karl-Version ausnahmsweise wortgleich für unseren Herrn Karl-Heinz.)

Na von da an is' eh wieder aufwärts ganga . . .
I hab sozusagen meine Lebensfreude wieder gewonnen . . . I hab guate Posten g'habt . . . schlechte Posten g'habt . . . g'arbeit hab i nimmer vül . . . Net, weil i's net kann . . . Aber des . . . des is des Alter der Reife . . . da genießt man gern - wissen S' - das Leben . . . Man wird überlegen . . . man erinnert sich: Wie man sich geplagt hat . . . für die Gemeinschaft . . . für die Gattinnen . . . für den Beruf . . . für den Wiederaufbau . . . und was ist geblieben?
Erfahrung . . . Lebensklugheit . . . immerhin. Aber sonst?

Na von da an is' eher abwärts ganga . . . I hab sozusagen meine Freude an Medienauftritten verloren . . . I hab no a bisserl gute Presse g'habt - in der Cosmopolitan und in der Yacht-Revue - . . . viel schlechte Presse g'habt . . . g'redet mit die Medien hab i nimmer viel . . . Net, weil i's net kann . . . Aber das . . . das is des Alter der Reife . . . da verschweigt man manches gern - wissen S' - das Leben . . . Man wird überlegen . . . man erinnert sich: Wie man sich geplagt hat . . . für die Gemeinschaft . . . für die Investments von der Schwiegermutter . . . für den Beruf . . . für das Nulldefizit . . . und was ist geblieben? Erfahrung . . . Lebensklugheit . . . immerhin. Aber sonst?

Manchesmal, wann's am Sunntag scheen is, fahr i nach Baden oder Klosterneuburg . . . Da schau i ma de Häuser an und denk ma: De hätten s' dir in der Russenzeit nachg'haut. Da is a Villa, an der geh i immer vorbei . . . de kennt heit mir g'hern . . . Wer waaß, zu was 's guat is . . . Dann steig i in de Stadtbahn, fahr wieder ham . . . und leg mi schlafen . . . I schlaf ja guat. Net immer natirlich . . . Manchmal, wann i so lieg, hör i de Rettung vorbeifahrn . . . tatüü . . . dann denk i ma nur: Karl, du bist's net . . .

Manchesmal, wenn's am Sonntag schön ist, fahr ich nach Wien in die Himmelpfortgassen oder auf den Ballhausplatz. Da schau i ma die Palais an und denk ma: Da drin hamma uns in der Schüsselzeit oft abg'haut. Da is des Kanzleramt, da geh i immer vorbei . . . dort könnt heut ich sitzen . . . Wer weiß, zu was 's gut ist . . . Dann steig ich in meinen Porsche, fahr wieder heim nach Kitzbühel . . . und leg mich schlafen . . . Ich schlaf ja gut. Net immer natürlich . . . Manchmal, wann ich so lieg, hör ich die Polizei vorbeifahren, mit dem Arrestantenwagen . . . tatüü . . . dann denk ich mir nur:
Karl-Heinz, du bist's net . . .

Aufgerufen am 19.09.2018 um 09:17 auf https://www.sn.at/kolumne/schlis-lauschangriff/herr-karl-oder-herr-karl-heinz-kein-vergleich-offener-schluss-1102414

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