Herr Karl oder Herr Karl-Heinz? (K)ein Vergleich, Teil 4

So ein zeitloser Antiheld funktioniert in der Großbürger-Version doch tatsächlich ähnlich wie in der klassischen Kleinbürger-Version.

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Schlis Lauschangriff Helmut Schliesselberger

Na, so hab i mi halt manchmal a bissl ang'soffen. Eines Tages wird de Alte, mei Gattin, frech. Schmeißt mi auf vur meine Freind, vur meine Haberer, vur de Gäst. "Der Poldl mecht scheen schaun, wann er abaschaun mecht, wia's zuageht in sein Wirtshaus" . . . Na, mehr hab ich net braucht! "Was dei Poldl mi kann, des waßt eh", hab i ihr g'sagt. Hab alles hing'schmissen . . . Schürzen . . . hab meine Sachen aus da Wohnung g'holt . . . Anzug . . . alles . . . Servas, gemma . . . Na, dann hat s' bled g'schaut . . . Meine Freiheit aufgeben, das könnte ich nie!

Na so Anfang 2007 hättet ihr mi dann do fast als VP-Vizekanzler an'troffen. Aber eines Tages wird der Alte, der Andreas Khol, frech. Schmeißt mi auf vor meine Parteifreund, vor meine schwarz'n Haberer, vor die Journalisten. "Der Poldl möcht schön schaun, wenn er runterschauen möcht, wie's zugeht in seiner Partei" . . . Na, mehr hab ich net braucht! "Was dein Figl mich kann, des weißt eh", hab i ihm g'sagt. Hab alles hing'schmissen . . . Vizekanzler, Minister . . . hab meine Sachen aus der Partei g'holt . . . Anzüg . . . alles . . . Servas, gemma . . . Na, dann ham s' blöd g'schaut . . . Meine wirtschaftlich-politische Gestaltungsfreiheit aufgeben, das könnte ich nie!

Es war eine harte Zeit . . . man hat ein befreites Volk hungern lassen . . . Mi net. I hab scho immer was derwischt. G'schäfter g'habt . . . Wann i damals in a Nachtlokal kumma bin, ham's alle glaubt, i bin a Lord . . . Dann is de Währungsreform kumma . . . da hab i wieder alle Lust verlurn zum Leben . . . Da hat man sein Leben aufgebaut . . . mindestens zwanzig Mal hab i mei Leben auf'baut in Lauf von mein Leben.

Es war eine harte Zeit . . . man hat einen von der Bürde seines Amtes befreiten, schönsten, besten Ex-Finanzminister Europas hungern lassen . . . Stört mi net. I hab scho immer was derwischt. G'schäfter g'habt . . . Wann i damals in a Nachtlokal kommen bin, ham's immer no alle glaubt, i bin a Lord . . . Dann is de Buwog-Anklage kommen . . . da hab i wieder alle Lust verlorn zum Leben . . . Da hat man sein Leben aufgebaut . . . mindestens zwanzig Mal hab i mein Leben auf'baut im Lauf von mein Leben.
Sie hat am Laaerberg g'wohnt. Bin i mitg'fahrn. Aufn Weg hab i ihr von meine unglücklichen Ehen erzählt . . . bitte, sie war Brillenträgerin, aber ein sehr liebenswerter Mensch. A schlecht behandelt vom Leben . . . Na bin i zu ihr zogen. Sie war Bedienerin. Aber sonst sehr reinlich.

Sie hat in Kitzbühel g'wohnt. Bin i mitg'fahrn. Aufn Weg hab i ihr von meine unglücklichen Privatisierungen erzählt - bitte, sie war keine Leistungsträgerin, aber ein sehr vermögenswerter Mensch. Auch schlecht behandelt von den Medien . . . Na bin i zu ihr zogen . . . Sie war Kristallerbin. Aber sonst sehr peinlich.


Ja, Frau Chefin, ja! - Die Alte soll si net aufregn . . . soll froh sein, dass s' mi hat . . . so leicht kriagt ma heit niemand . . . des is ja auch ein Mangelberuf . . . Wer steht scho auf ihr Geld?

Ja, Fiona, ja! - Die Alte soll si net aufregen . . . soll froh sein, dass s' mi hat . . . so leicht kriegt ma heut niemand . . . Ex-Finanzminister, des is ja auch ein Mangelberuf . . . Wer steht schon auf ihr Geld?

Aufgerufen am 18.09.2018 um 09:39 auf https://www.sn.at/kolumne/schlis-lauschangriff/herr-karl-oder-herr-karl-heinz-kein-vergleich-teil-4-1141468

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