"Und nachts steht er nur ein Mal auf, um seine Blase zu erleichtern"

Gesundheitskommuniques im Wahlkampf sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Wir bringen schonungslos alle Details.

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Schlis Lauschangriff Helmut Schliesselberger

Kleines Rätsel zum Einstieg: Zu welchem Präsidentschaftskandidaten gehört dieses Gesundheitskommuniqué?

Der Kandidat "hat Schwierigkeiten mit den Knien, die beide früher Gegenstand eines chirurgischen Eingriffs waren, er kompensiert diese durch kraftvolle Leibesübungen nach dem Aufstehen um 5.30 Uhr und durch tägliches 400-m-Schwimmen im Pool. Nachts steht er nur ein Mal auf, um seine Blase zu erleichtern, er schläft gut und hat keinerlei nervöse Reaktionen. Seine Zähne sind durch Nikotin etwas verfärbt. Seine Hoden sind normal und symmetrisch. Er hat keinerlei depressive Tendenzen. Sein Stuhlgang ist braun und wohlgeformt."

Nein, es handelt sich weder um Alexander Van der Bellen - dessen Zähne sind durch seine Glimmstängelitis vielleicht doch minimal mehr als nur etwas verfärbt. Wie sein Wahlkampfteam betont, allerdings jedenfalls nicht in der Unfarbe Grün - noch um Donald Trump - bei ihm gibt es Nikotinverfärbung nur in den Haaren. Es handelt sich auch nicht um Norbert Hofer - bei diesem ist laut FPÖ-Parteipressedienst alles blau und definitiv nichts braun - und schon gar nicht um Hillary Clinton - sie zeigt nämlich vermehrt nervöse Reaktionen.

Obiges Kommuniqué ist echt und stammt aus dem Präsidentschaftswahlkampf, hat aber schon 40 Jahre auf dem Buckel: Es wurde im Zuge des US-Wahlkampfs 1976 vom Weißen Haus veröffentlicht, als der Gesundheitszustand des Titelverteidigers Gerald Ford Thema wurde. Geholfen hat es nicht viel: Ford verlor gegen Jimmy Carter, der schon damals so gesund wirkte, dass er heute nicht anders kann, als im zehnten Lebensjahrzehnt zu stehen.

Donald Trump ließ den Medien schon vor einem Jahr via Leibarzt ausrichten, er sei der "gesündeste Kandidat, der jemals in das Präsidentenamt gewählt" werde. Als größte Gefahr wird in Trumps Umfeld neben der Sorge, dass Trumps Frau nicht ins Weiße Haus mitkommt, weil sie nicht in ein viel kleineres Haus umziehen möchte, offenbar gesehen, dass Trump wie Hillary Clinton im Wahlkampf stürzt und sich dabei dann die Frisur bricht.

Clinton ließ sich nach ihrem Mikrokollaps vom Wochenende nun von ihrer Ärztin eine gute Gesundheit bescheinigen. Es sei Zeit für eine Frau im Oval Office. Clintons Ehemann dementierte umgehend - und zwar nicht den Gesundheitszustand. Er meinte nur: "Wenn die wüsste, wie viele Frauen da schon waren . . ."

Van der Bellen ist laut seinem Arzt "super beinand" und "hat wirklich eine herrliche Lunge" - Von geradezu "grüner Lunge" sprach natürlich vorsichtshalber wieder keiner.

Das Ungesündeste an Norbert Hofer ist, dass sein Büroleiter, den er in die Hofburg mitnehmen will, eine Vergangenheit mit Springerstiefeln und Schlagstock im Neonazi-Umfeld hat und Hofer nichts Ungesundes daran findet.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 03:48 auf https://www.sn.at/kolumne/schlis-lauschangriff/und-nachts-steht-er-nur-ein-mal-auf-um-seine-blase-zu-erleichtern-1055869

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