Was redet man mit einem Prinzen?

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist ein klein wenig aufgeregt vor dem Besuch des britischen Langzeitthronfolgers Prinz Charles in der Hofburg.

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Schlis Lauschangriff Helmut Schliesselberger

Protokollchef: Am 5. April kommt His Highness mit Duchess Camilla in die Hofburg.
Van der Bellen: "Your Highness" - Geh bitte, muss des sein? Ich kann das nicht sagen. "Your Highness" hamma bei den Grünen immer gesagt, wenn einer eing'raucht war. Das kann ich dem Charles ja wohl nicht erzählen, oder? Und auf was muss ich sonst noch achten?
Protokollchef: Umarmen Sie die Duchess nicht! Derlei konnten wir Ihrem Vorgänger nie abgewöhnen. Lassen Sie beim Dinner die linke Hand unterm Tisch! Hören Sie dem Prinzen genau zu, vermeiden Sie aber den Phraseologismus "Ich bin ganz Ohr"! Und sprechen Sie ihn niemals offensiv auf Reitlehrer, Eskapaden seiner Söhne und Brüder sowie die nach ihm benannte Froschlurchart Hyloscirtus princecharlesi an. Dann kann nichts passieren.
VdB: Was redet man dann mit so einem, muss ich jetzt anfangen, Bunte und Gala zu lesen?
Protokollchef: Sie sind Staatsoberhaupt, das will Seine Highness seit 65 Jahren werden, da sollte sich doch etwas Gesprächsstoff finden!
VdB: Und wenn nicht? Seit ich da in dem Nichtraucherschloss arbeite, tu ich mir mit diesen näselnden Aristos immens schwer. Die im Außenamt lachen mich eh schon immer aus, weil ich nur ein "van" und kein "von" bin.
Protokollchef: Üblicherweise suggestieren wir bei solchen Besuchen historisierende Konversationsansätze in die Richtung, dass die Gasversorgung Wiens 70 Jahre lang in englischer Hand war, dass das Riesenrad von englischen Architekten erbaut wurde, dass Dagmar Koller, mit der Seine Hoheit 1986 unterm Tisch zu verschwinden beliebte, in der österreichischen Fassung von "shrek 2" die gute Fee synchronisierte oder dass der achtjährige Mozart 1764 vor dem englischen Königspaar musizierte.
VdB: 1764, war der damals schon Thronfolger?
Protokollchef: Nein, der Prinz von Wales beliebten 1948 das Licht der Welt zu erblicken. VdB: Aha, Prinz von Wels, da gäb's vielleicht Gesprächsstoff: Meine Frau ist in Grieskirchen geboren, das ist gleich neben Wels. Na ja, und hamma eigentlich schon ein Geschenk für ihn?
Protokollchef: Aber natürlich, wir haben Augarten-Lipizzaner zur Porcus-Nutrition.
VdB: Müssen da herinnen eigentlich immer alle so g'schwollen daherreden?
Protokollchef: Zum Saufuttern - Pardon!
VdB: Nachdem Charles seit Jahrzehnten täglich auf die Krone wartet, schenk ma ihm doch ein Krone-Abo, dann hat er sein Ziel billig erreicht.
Protokollchef: Noch etwas, Prinz Charles gilt aufgrund seines vielfältigen ökologischen Engagements und Kampfs gegen den Klimawandel als Grüner bzw. als "grüner Prinz".
VdB: Na, da ergibt sich leider auch kein Gesprächsstoff mehr. Zu blöd, dass ich seit 15 Monaten nicht mehr weiß, dass ich vielleicht auch mal mit den Grünen zu tun hatte. Bitte verraten Sie mich nicht! Und rufen S' beim ORF an, falls der andere grüne Prinz, der Piesczek, auch ausfällt, könnt doch der Charles bei "Dancing Stars" nachrücken! Hacknstad genug wär er als gelernter Thronfolger jedenfalls.
Protokollchef: Bitte, er bereitet sich seit 65 Jahren auf die Arbeit als Staatsoberhaupt vor. VdB: Stimmt, über die Hack'n könnten wir reden. Die Arbeit als Staatsoberhaupt könnte ich Charles aus nunmehr eigener Erfahrung gut erklären - aber das wär zu brutal und nach 65 Jahren Vorbereitung ein echter Schock für ihn, wenn ich ihm verrate, dass man als Staatsoberhaupt dann eigentlich erst recht nix zu tun hat.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 08:31 auf https://www.sn.at/kolumne/schlis-lauschangriff/was-redet-man-mit-einem-prinzen-718342

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