Apple, Newton, das Gesetz der Schwerkraft und das Geld

Manchmal kann man die Gesetze der Physik auf die Ökonomie anwenden. Bei den Steuereinnahmen wirkt das Gesetz der Schwerkraft.

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Soll und Haben Richard Wiens

Die Anekdote ist so gut, dass sie sich über Jahrhunderte gehalten hat. Isaac Newton soll die Idee, dass es die Schwerkraft gibt, gekommen sein, als ihm ein Apfel auf den Kopf fiel. Ganz so dürfte es nicht gewesen sein, aber das mit dem Fallobst hat schon seine Richtigkeit, wie William Stukeley in seiner 1752 veröffentlichten Newton-Biografie berichtet. Demnach soll der Wissenschafter um das Jahr 1660 in seinem Garten gesessen sein, als ein Apfel vom Baum fiel. Daraus schloss er, dass die Erde Körper anziehe und sie deshalb zu Boden fielen.

Um fallende Äpfel geht es dieser Tage auch in der Welt der Wirtschaft. Für den erfolgsverwöhnten Computerkonzern Apple läuft es momentan nicht sehr gut. Erstmals, seit man im Jahr 2007 mit dem iPhone den Markt revolutionierte, gehen die Verkäufe des Smartphones zurück. Das trifft Apple hart, denn das iPhone ist längst das wichtigste Produkt des Konzerns, das die Gewinne nur so sprudeln lässt. Genau diese Milliardengewinne sind es, die Apple nun in eine recht missliche Lage gebracht haben.

Oder eigentlich nicht geleistete Steuern auf die astronomisch hohen Gewinne. Noch präziser handelt es sich um die lächerlich geringen Steuern, die Apple in Irland zahlte, weil man die Gewinne an einen fiktiven Firmensitz verschob. So reduzierte sich der Gewinnsteuersatz für Apple auf der Grünen Insel 2014 auf 0,005 Prozent. Da wäre eventuell zu überlegen, die Finanzbeamten mit einer Lupe auszurüsten.

Die Regierung und das Parlament in Dublin sehen das freilich ganz anders. Sie wollen der Aufforderung der EU-Kommission nicht nachkommen und Apple keinesfalls eine Steuernachzahlung von 13 Mrd. Euro aufbrummen. Kein Wunder, Irland hat seinen wirtschaftlichen Aufstieg zum keltischen Tiger nicht zuletzt dem aggressiven Steuerwettbewerb zu verdanken. Und auch die Erholung nach der Finanzkrise. Dazwischen lagen allerdings 85 Mrd. Euro Finanzhilfe von der EU. Egal, Apple hat auch nichts Unrechtes getan, sondern beim Steuernzahlen lediglich Newtons Gesetz der Schwerkraft bis zum Exzess ausgenützt.

Mit Newton ist Apple übrigens seit Beginn eng verbunden, anfangs warb man sogar mit seinem Abbild. Es gab auch ein Produkt namens Newton. Der Vorläufer der heutigen Tablets konnte die Schwerkraft aber nie überwinden, er war kein Highflyer, sondern ein Flop.

Newton war vieles - Mathematiker, Physiker, Astronom und sogar Alchemist. Aber dreißig Jahre seines Lebens beschäftigte er sich beruflich mit Geld. 1696 wurde er zum obersten Aufsichtsbeamten der königlichen Münze von England ernannt, drei Jahre später stieg er zum Münzmeister auf und blieb es bis zu seinem Tod 1727. In seiner Zeit setzten der Royal Mint vor allem die Münzfälscher zu. Newton machte sich daran, ihnen das Handwerk zu legen. Auf heute umgelegt, geht es nicht darum, Konzerne zu kriminalisieren, die geltendes Steuerrecht ausnützen. Aber Staaten werden vielleicht umdenken, wenn sie merken, dass das Gesetz der Schwerkraft auch für Steuereinnahmen gilt.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 10:26 auf https://www.sn.at/kolumne/soll-und-haben/apple-newton-das-gesetz-der-schwerkraft-und-das-geld-1078504

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