Bürger, Banker und Briefe

Wer von schlechten Botschaften genug hat, für den hielt die Woche Tröstliches bereit. Erstens: Es gibt noch Banker, die zurücktreten. Zweitens: Es werden wieder Briefe geschrieben.

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Soll und Haben Richard Wiens

Wenden wir uns zuerst den Briefen zu. Frankreichs neuer Staatspräsident bekam dieser Tage Post von einem Landsmann. Der Fondsmanager Edouard Carmignac wandte sich per offenem Brief an François Hollande. Darin holt der besorgte Citoyen zum verbalen Schlag gegen die bisher bekannten Vorhaben von Hollande aus, namentlich die Pläne, Vermögenden bis zu 75 Prozent ihres Einkommens wegzusteuern.

Ob der besorgte Bürger Antwort aus dem Elysée-Palast bekommen hat, ist nicht überliefert. Apropos: An die Bürger haben sich auch mehr als 150 deutschsprachige Ökonomen gewandt, die ob der Beschlüsse auf dem EU-Gipfel besorgt sind. Mit ökonomischen Argumenten nahm man es in dem Appell nicht so genau, aber die Volkswirte dachten wohl, es bedürfe grober Vereinfachung, um über die eigene Zunft hinaus Wirkung zu erzielen. Mit dem etwas platten Vorhalt, eine Bankenunion helfe unter anderem der City of London, trafen sie einen wunden Punkt.

Und damit sind wir bei den Bankern. Bei der britischen Großbank Barclays haben in dieser Woche gleich drei ihren Job verloren, allen voran der schon länger im Kreuzfeuer der Kritik stehende Vorstandschef Bob Diamond. Bürgernähe ist eher nicht sein Ding, wie man spätestens seit 2011 weiß, als Diamond meinte, es habe für Banker eine Zeit der Reue gegeben, aber die müsse nun vorbei sein. Nicht bereut hat Diamond auch, dass einige Händler von Barclays über Jahre den Libor manipulierten, also jenen Zinssatz, den Banken für Geschäfte untereinander verrechnen. Den Mitarbeitern schrieb er anlässlich der Verhängung einer Strafe von 350 Mill. Euro zwar einen Brief, in dem er sich enttäuscht und zornig zeigte. Im Parlament erklärte er die falschen Angaben damit, dass man Unruhe auf den Märkten vermeiden wollte. Er habe eine Verstaatlichung des Instituts befürchtet, falls die Bank den Eindruck von Schwäche vermittelt hätte. Manipulation? Aber wo, höchstens eine Notlüge im harten Konkurrenzkampf. Und all das unter den Augen der Bank of England, die da keine gute Figur machte. Sie hätte besser beim Begründer der Ökonomie nachgelesen, über die Geschäftsleute schrieb Adam Smith: "Jedem Vorschlag zu (. . .) einer neuen Regelung über den Handel, der von ihnen kommt, sollte man immer mit größter Vorsicht begegnen. Man sollte ihn auch niemals übernehmen, ohne ihn vorher gründlich und sorgfältig, ja sogar misstrauisch und argwöhnisch geprüft zu haben, denn er stammt von einer Gruppe Menschen, deren Interesse niemals dem öffentlichen Wohl genau entspricht, und die in der Regel vielmehr daran interessiert sind, die Allgemeinheit zu täuschen, ja sogar zu missbrauchen."



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