Die Vertreibung der Steuersünder und Hamburger für die Kardinäle

Im Vatikan will man mit Steuersündern nichts mehr zu tun haben. Den Büßern rollt Italiens Premier Renzi den roten Teppich aus.

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Soll und Haben Richard Wiens

Der Vatikan hat dieser Tage einen weiteren Schritt gesetzt, um in Steuersachen seine Seele zu reinigen. Italiener, die Geschäfte über den Vatikan und seine in der Vergangenheit skandalumwitterte Bank IOR (Istituto per le Opere di Religione) abwickeln, bleiben künftig nicht mehr anonym, ihre Daten werden dem italienischen Fiskus gemeldet. Der Vatikan will zwar weiter Sehnsuchtsort der Katholiken sein, aber er will nicht mehr als Zufluchtsort der Steuersünder international am Pranger stehen. Es ist die Absage an die früher durchaus geübte Praxis, Geld aus kriminellen Machenschaften zu verwalten, im festen (Aber-)Glauben, sich dabei die Hände nicht schmutzig zu machen.

Die Vereinbarung ist eine weitere Normalisierung der Beziehung zwischen Italien und dem Vatikan, die auf den Lateranverträgen von 1929 ruht. Die katholische Kirche wurde auf das Gebiet innerhalb der vatikanischen Mauern beschränkt, dafür erhielt sie ihre rechtliche und finanzielle Unabhängigkeit zurück. Einwohner und Angestellte des Kirchenstaates zahlen bis heute keine Steuern, obwohl dort keineswegs alle nur für Gottes Lohn arbeiten.

Italiens Steuersünder, die aus dem kirchlichen Paradies vertrieben werden, haben dennoch wenig zu befürchten. Glücklicherweise gibt es noch weltliche Mächte, die Erbarmen zeigen. Ministerpräsident Matteo Renzi hat die Möglichkeit zur Selbstanzeige um ein weiteres Jahr verlängert, säumige Steuerzahler müssen keine Strafzinsen mehr zahlen. Zudem wird die Steuerinkasso-Agentur Equitalia geschlossen. Ein Schritt zu mehr Gleichheit in Italien?

Aber zurück zum Vatikan und seinen Immobilien in Rom, für die er seit 2013 auch Steuer zahlen muss. In eines der vielen Gebäude, die der Kirchenstaat in der ewigen Stadt besitzt, soll schon bald McDonald's einziehen. Die in unmittelbarer Nähe des Petersdoms geplante Filiale lässt im Vatikan die Wogen hochgehen. Die Kapitalismuskritiker im Kardinalspurpur steigen auf die Barrikaden. Das von McDonald's angebotene Fastfood sei "qualitativ meilenweit von der traditionellen römischen Küche entfernt", empört sich ein emeritierter Kurienkardinal. Der Vorsitzende der Güterverwaltung, Kardinal Domenico Calcagno, sagt hingegen im Interview mit der Tageszeitung "La Repubblica", das Angebot der US-Gruppe sei fair. Es sei alles im Einklang mit den Gesetzen und auch den Interessen des Heiligen Stuhls.

Für die Diener des Herrn kommt es aber womöglich noch schlimmer. Nach McDonald's will sich auch die Restaurantkette Hard Rock Cafe in der Via della Conciliazione niederlassen. Ist der Weg zur Pforte des Petersdoms bald mit Hamburgern und Musikkommerz gepflastert? Vielleicht besänftigt es die Kritiker, dass die Hard-Rock-Cafe-Kette mittlerweile dem Stamm der Seminolen-Indianer von Florida gehört. In deren Stammeslogo steht: "In God we trust." Die Friedenspfeife liegt bereit.

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