Es ist etwas faul im Staate Italien - vor allem in seinen Banken

Wenn die Italiener beim Referendum Matteo Renzi das Vertrauen entziehen, könnte das auch die Banken ins Straucheln bringen.

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Soll und Haben Richard Wiens

Für die älteste noch bestehende Bank der Welt, die Monte dei Paschi di Siena, gibt es also doch Hoffnung, dass ihre Geschichte nach mehr als einem halben Jahrtausend noch nicht zu Ende geht. Donnerstagabend stimmten die Aktionäre einem Plan zu, mit dem die altehrwürdige Einrichtung vor dem Untergang bewahrt werden soll. Die Kombination aus frischem Kapital und Umwandlung von Schulden in Aktien am Institut soll die Wende bringen, damit sollen insgesamt fünf Mrd. Euro aufgebracht werden.

Ihren Namen bekam die Monte dei Paschi erst 1624, gegründet wurde sie aber schon 1472 als "Monte di Pietà", als Berg der Barmherzigkeit. Anders als Banken, die gegen Einlagen Zinsen gewährten, waren die Monti di Pietà nicht auf Gewinn ausgerichtet. Das hat man sich beim Nachfolgeinstitut Paschi di Siena in den vergangenen Jahren zu sehr zu Herzen genommen hat. Heuer wird ein Minus von fast fünf Mrd. Euro erwartet, seit 2011 häufte die Bank insgesamt Verluste von 20 Mrd. Euro an.

Mit Barmherzigkeit hat der Beschluss der Aktionäre freilich nichts zu tun, sie leitet das pure Eigeninteresse. Denn auf Hilfe des Staates darf Monte dei Paschi nicht mehr hoffen, der schoss 2012 schon vier Mrd. Euro in die Bank ein. Ziehen sich Aktionäre und Gläubiger nicht selbst aus dem Sumpf, müssten sie beim Fall der Bank viel mehr Geld in die Hand nehmen.

Allerdings könnte die Politik noch einen Strich durch die Rechnung machen, wenn die Bank Anfang Dezember Geld auf dem Kapitalmarkt einsammeln will. Dieses ohnehin heikle Unterfangen könnte sich als unmöglich erweisen, wenn die Regierung am 4. Dezember mit ihrem Verfassungsreferendum scheitert.

Dann dürften nicht nur die Tage von Ministerpräsident Matteo Renzi gezählt sein, sondern auch Italiens Banken ins Wanken geraten. Ausgerechnet Italien, wo das Bankwesen im Mittelalter seinen Ursprung nahm, gilt aktuell als der gefährlichste Bankenmarkt in Europa. In Abwandlung von Hamlet kann man daher behaupten: Es ist etwas faul im Staate Italien. Für seine Banken gilt das erst recht. In deren Bilanzen schlummern 360 Mrd. Euro faule Kredite, ein Drittel des Volumens in ganz Europa. Monte dei Paschi allein sitzt auf 50 Mrd. Euro uneinbringlichen Krediten. Der Verkauf von gut der Hälfte soll neun Mrd. Euro einbringen.

Die Misere der Monte dei Paschi zeigt wieder einmal eindrücklich, wie sehr Bankwesen und Politik miteinander verwoben sind. Banker und Regierende sind oft Schicksalsgenossen, ob sie wollen oder nicht. Daran haben auch die Regeln für Bankpleiten bislang nichts geändert.

Vor dem Sitz der Monte dei Paschi in Siena hat man übrigens Sallustio Antonio Bandini ein Denkmal gesetzt. Der setzte sich als Ökonom für Freihandel und den Abbau von Zöllen ein. Vor allem aber war Bandini Priester, vielleicht ist das ein gutes Omen. Denn Gottes Hilfe könnte die Monte dei Paschi gut brauchen.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 11:24 auf https://www.sn.at/kolumne/soll-und-haben/es-ist-etwas-faul-im-staate-italien-vor-allem-in-seinen-banken-850840

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