Trump und der Dollar - ein Duett der Schwachen

Um Amerika wieder groß zu machen, setzt Präsident Trump auf einen schwachen Dollar. Auf Dauer wird das nicht zum Erfolg führen.

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Marktplatz Richard Wiens

"Make America great again" - so tönte der neu gewählte US-Präsident Donald Trump bei seiner Angelobung im Jänner vor dem Kapitol. Damals standen die US-Währung und der Euro beinahe pari zueinander, bei 1,05 Dollar. Diese Woche erreichte das Austauschverhältnis der beiden wichtigsten Weltwährungen kurzzeitig die Marke von 1,20 Dollar. Aus "Make America great again" wurde seither "Make the dollar weak again".

Vor drei Monaten meldete sich Trump in Sachen Dollarkurs im "Wall Street Journal" wie folgt zu Wort: "Ich glaube, unser Dollar wird zu stark. Und teilweise ist das meine Schuld, weil die Menschen Vertrauen in mich haben." Das schmerze und werde der Wirtschaft am Ende wehtun. Gut, dieses Problem scheint gelöst zu sein. Angesichts der für einen US-Präsidenten rekordverdächtig niedrigen Vertrauenswerte von Trump ist es ein Wunder, dass der Kurs zum Euro erst bei 1,20 Dollar steht. Nach Trumps überraschender Wahl im November 2016 war alles noch anders. Da nährte die Aussicht auf massive Steuersenkungen sowie Investitionen in Infrastruktur und die Mehrheit der Republikaner in beiden Kammern des Kongresses die Hoffnung auf eine Belebung der US-Wirtschaft. Dazu kam die Politik der US-Notenbank, die mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik begann und die Zinsen erhöhte. All das machte den Dollar stark - aus Sicht von Trump viel zu stark.

Talking the dollar down - ist nichts, was Trump erfunden hat. Viele seiner Vorgänger bedienten sich dieser subtilen Variante zum Schwächen der eigenen Währung, um sich im Export Vorteile zu verschaffen und um die Nachfrage nach importierten Gütern zu zügeln. Insofern entspricht Trumps Strategie - wenn es denn eine ist - seiner Devise des America First.

Auf die Abwertung der eigenen Währung zu setzen ist einer starken Volkswirtschaft aber auf Dauer nicht zuträglich. Es lähmt den Innovationsgeist und schränkt die Wahlfreiheit beim Konsum ein.

Von John Connally, Finanzminister unter Präsident Richard Nixon, stammt der legendär gewordene Satz: "The dollar is our currency, but it's your problem." Das war die Antwort auf die Besorgnis über den Verfall des Dollar, nachdem Nixon das Bretton-Woods-System für obsolet erklärt hatte. Auf heute umgelegt, könnte der Spruch lauten: "Trump is our president, but he is your problem." Das Gute ist - man weiß, das geht vorbei. Denn à la longue wird der Wechselkurs nicht von der Politik, sondern auf dem Markt bestimmt.

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