Notenbanker in Not und der Sparefroh in Frühpension

Der Sparefroh wird 60. Es scheint, als hätte er bereits ausgedient. Aber er ist zäh wie der Wurschtl, ihn kann auch keiner erschlagen.

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Soll und Haben Richard Wiens

Die Menschen werden älter, daher sollen sie nach den Wünschen der Politiker auch länger arbeiten. Viele Menschen wollen sogar länger arbeiten, aber längst nicht alle lässt man auch. Ein Paradebeispiel ist der Sparefroh. Die Symbolfigur der Sparkultur der Nachkriegszeit wurde heuer 60 Jahre alt. Der Spare froh hätte gern noch ein paar Jahre weitergemacht.

Aber die Notenbanker haben ihn in Frühpension geschickt. Eigentlich ist der Sparefroh seit Ausbruch der Finanzkrise, als die Zinsen auf Rekordtiefs gesenkt wurden, schon in Altersteilzeit. Wie in anderen Branchen hält sich auch im Bankgewerbe die Lust in Grenzen, ältere Mitarbeiter zu beschäftigen. Man will zwar noch ein wenig von ihrer Erfahrung zehren und im Fall des Sparefroh vom hohen Sympathiefaktor profitieren. Aber man drängt sie ins Abseits. Die Banken haben heuer daher relativ wenig Wind um den Weltspartag gemacht. Warum auch? Soll man Kunden, denen angesichts der Sparzinsen ohnehin zum Weinen ist, noch zusätzlich verärgern? Eben.

Selbst die Notenbanker haben ja ihre liebe Not, noch gute Argumente für das Festhalten an der Niedrigzinspolitik zu finden. Sie werden zwar nicht müde zu erwähnen, dass sie alles nur tun, um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Und sie betonen, dass auch die Kreditzinsen historisch tief sind.

Aber das tröstet eben viele nicht, die ihre Zinserträge verkümmern sehen. Auch der Hinweis, dass trotz höherer Nominalzinsen der reale Zinsertrag wegen der teilweise auch höheren Inflation früher keineswegs immer Anlass zum Jubeln gab, verhallt ungehört. Weil sich die Menschen erinnern, dass man höhere Zinsen erhielt, wenn man bereit war, sich und sein Geld länger an die Bank zu binden. Heute geht das nicht mehr, weil die Zinskurve so flach ist wie ein Surfbrett. Und eine Welle nach oben, auf der man reiten kann, ist auch langfristig nicht in Sicht.

Kein Gehör finden Notenbanker auch in der Politik. Im Gegenteil, die Damen und Herren des Geldes müssen sich immer öfter eingestehen, dass die Politiker sie aufs Kreuz gelegt haben. Viele haben nämlich die Atempause, die ihnen die Niedrigzinspolitik in den Staatshaushalten verschafft hat, ungenützt verstreichen lassen und die Schulden kaum reduziert.

Dürre Zeiten für Sparer. Ihnen bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft erholt und die Notenbanker die Zinswende einleiten. Vielleicht holt man dann auch den Sparefroh aus der Rente zurück und lässt ihn wieder etwas dazuverdienen, ganz ohne Ruhensbestimmungen und Pensionsmalus. Schön wär's.

Aufgerufen am 26.09.2018 um 10:46 auf https://www.sn.at/kolumne/soll-und-haben/notenbanker-in-not-und-der-sparefroh-in-fruehpension-932314

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