Wörter, die uns durch das Jahr 2016 begleitet haben

Das Jahr 2016 war reich an Höhen und Tiefen: Die Liste reicht von faulen Äpfeln über falsche Präsidenten bis zu Zinsen am Nullpunkt.

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Soll und Haben Richard Wiens

Apple: Der Computerriese erwies sich als fauler Apfel, zumindest wenn es ums Steuerzahlen geht. Die EU-Kommission forderte Irland auf, von Apple 13 Mrd. Euro an zu wenig bezahlten Steuern einzufordern. Zur Verblüffung vieler wollen die Iren das Geld aber gar nicht. Es blieb nicht das einzige Aha-Erlebnis der EU.
Brexit: Die Abstimmung über den Verbleib der Briten in der EU endete mit einer Überraschung. Am meisten überrascht waren die Verfechter des Brexit. Die hatten mit allem gerechnet, aber nicht mit einem Sieg. Daher hatten sie auch keinen Plan, wie es weitergehen soll.
CETA: Vier Buchstaben, die 2016 für viel Aufregung sorgten. Das Handelsabkommen der EU mit Kanada wurde zur Zitterpartie und zur ersten Nagelprobe für Neo-SPÖ-Chef Christian Kern. Er scheiterte mit dem Versuch, die ablehnende Haltung von 7 Prozent der SPÖ-Mitglieder zur Regierungslinie zu machen. Österreich stimmte CETA zu, wenn auch unter Vorbehalt.
Fake President: Nein, es geht nicht um die, die finden, Donald Trump sei der falsche Präsident für die USA. Es geht um einen Trick, mit dem falsche Geschäftsführer Konzernen Geld abknöpfen. Der Flugzeugzulieferer FACC hat deshalb 50 Mill. Euro und zwei Vorstände weniger.
Heta: Ein dunkles Kapitel in Österreichs Finanzgeschichte neigt sich allmählich dem Ende zu. Gläubiger erhalten 90 Prozent ihrer Forderungen, und Kärnten jubelt. Just am 10. Oktober, an dem sich Südkärnten für Österreich entschied, streift man die Hypo-Altlast ab und reicht die Rechnung an die Republik weiter.
Lufthansa: Lange Zeit ein Gütesiegel in der weltweiten Luftfahrt, wird die deutsche Airline zum Exerzierplatz für die Pilotengewerkschaft. 14 Streiks in 18 Monaten sind Rekord und machen Flugpläne für Passagiere zur Lotterie.
Nobelpreis: Der ging heuer an zwei Wirtschaftswissenschafter, die mit ihren Forschungen dazu beigetragen haben, Verträge gut zu konstruieren und besser zu verstehen. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigte die OMV vor.
OMV: Österreichs Mineralölriese schickte Liebesgrüße nach Moskau und ging mit Gazprom ein Tauschgeschäft ein, bei dem noch nicht sicher ist, dass Norwegen als unbeteiligter Dritter gute Miene zum bösen Spiel machen wird.
Panama: Lange nur für den Kanal bekannt, der Atlantik und Pazifik verbindet, erlangte Panama heuer traurige Berühmtheit als Hort der Steuersünder. Was Janoschs "Oh, wie schön ist Panama" für Kinder ist, sind nun die Panama Papers für Journalisten und Justizbehörden: eine Fundgrube abenteuerlicher Geschichten.
Zinsen: Den absoluten Tiefpunkt setzte 2016 die Europäische Zentralbank. Im März senkte sie den Leitzins in der Eurozone auf null Prozent. Dort liegen seither auch die Beliebtheitswerte von EZB-Präsident Mario Draghi.

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