Dieser unstillbare Drang des Menschen zur Bevormundung

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Teufelsküche Peter Gnaiger

Früher war alles klar: Ein Neandertaler traf in zweierlei Hinsicht ein Wildtier. Dann gab es Essen. Später wurde der Mensch religiös und ab da begann er die Abläufe zu verkomplizieren. Allein die Bibel kennt 213 Regeln, die vom Essen handeln. Seitdem fragt sich der Mensch: "Was darf ich wann oder überhaupt nicht - und wenn dann auf welche Art und Weise essen." Jetzt stellte die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf sogar eine Studie vor, nach der sich 35,2 Prozent aller Deutschen einer Zuckersteuer "aufgeschlossen" zeigen würden. Auch ein staatlich verordneter Veggie-Day würde bereits von 25,8 Prozent aller Deutschen begrüßt und
58 Prozent hätten sogar gern Schockbilder auf Verpackungen.

Vielleicht wäre es besser, die Heinrich-Heine-Universität bringt statt solcher Studien Gedichte von Heine unters Volk. Etwa seine "Rückschau". Da schreibt er (Auszug): So dämmersüchtig, so sterbefaul. Mir flogen gebratene Tauben ins Maul. Und Englein kamen - und aus den Taschen - Sie zogen hervor Champagnerflaschen . . . Da weiß jeder, was zu tun ist, oder? Und noch etwas wusste Heine: Gott gab uns nur einen Mund, weil zwei Mäuler ungesund . . . hat er jetzt das Maul voll Brei, muss er schweigen unterdessen. Hätt' er aber Mäuler zwei - lüge er sogar beim Fressen. In diesem Sinn: Mahlzeit!

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