Im Wald, da sind die Jäger - und die Gourmets sowieso

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Teufelsküche | Essen & Trinken Peter Gnaiger

Es ist nicht überliefert, ob der Neandertaler eine gute Figur gemacht hat, als er mit seinen Zähnen Fleisch aus der Flanke eines toten Tieres riss. Aber irgendwann begannen sich unsere Vorfahren gottlob um ein Feuer zu scharen. Dort garten sie ihr Essen. Das darf als zivilisatorischer Quantensprung gewertet werden. Dieses Verhalten brachte uns einander näher, es machte uns zu Vertrauten. Dank des Feuers haben wir uns vom Tier zum Menschen entwickelt.

Obwohl - nichts gegen Tiere: Wenn man sie richtig zubereitet, schmecken sie ganz ausgezeichnet. Aber die Geschichte des Menschen ist eine Verfallsgeschichte. Das erkennt man heute an der steigenden Nachfrage nach Wildcarpaccio in Gourmetkreisen. Carpaccio ist ja so ein Wort, das ähnlich cool klingt wie Cappuccino, Street Food Market oder Latte macchiato. Sogar Slow Food sprang im Eilzugtempo auf den Trend auf. Im aktuellen "Metro Magazin" verraten die Genussprofis ein super Rezept für Rehcarpaccio. Man benötigt dazu 300 g Rehfilet. Ein erlegtes Reh hat aber nur etwa 100 g verwertbares Filet - weil die Kugel viel Gewebe zerstört. Da muss man viel rumballern für ein Carpaccio. Wer hätte je gedacht, dass Paul Bocuse mit folgendem Zitat einen Beitrag zur Zivilisation leistete: "Eine Küche ohne Feuer ist wie eine Hure ohne Arsch."

Aufgerufen am 19.11.2018 um 04:09 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/im-wald-da-sind-die-jaeger-und-die-gourmets-sowieso-1066627

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