Lustige Dinge, traurige Leute

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Teufelsküche | Essen & Trinken Peter Gnaiger

Veganer haben es beileibe nicht leicht. Ständig müssen sie blöde Fragen beantworten. Etwa jene: "Ist eine fleischfressende Pflanze vegan?" Da kann man schon sauer werden beim Nachdenken. Und jetzt kommt auch noch der bayerische Schelm Willy Astor und singt: "Haben Sie schon einmal - einen fröhlichen Veganer gesehen? Der die Gruppe begeistert und sagt - das Leben ist schön!" Aber Askese gehört nun einmal zu allen Weltreligionen. Auch die Bibel - also unsere Heilige Schrift - besteht ja fast nur aus Vorschriften. Sie kennt 613 Gebote - 213 handeln vom Essen. Und jetzt kam diese Woche in Italien die rechts orientierte Partei Forza Italia daher und stellte vegane Kinderquälerei an den Pranger. Sie forderte ein Jahr Gefängnis für Eltern, wenn sie ihre Kinder unter 16 Jahren vegan ernähren. Bieten sie Kindern unter drei Jahren nur vegane Küche, dann geht es zwei Jahre ins Kittchen. Das klingt irre - ist aber anlassbezogen. Kürzlich musste ein vegan ernährtes einjähriges Kind notoperiert werden.

Bleibt nur noch zu klären, wie man die Einhaltung des Gesetzes kontrolliert. Kommen da Carnebinieri (dt.: "Fleischpolizisten") ins Haus und führen die Kinder dem Burger-Meister vor? Und überhaupt: Wie viel Fleisch ist dann gesund? Unsere Unfähigkeit, maß- und genussvoll zu leben, beschrieb der Philosoph Max Scheler einmal so: "Wir sind umgeben von lauter lustigen Dingen, die angeschaut werden von lauter traurigen Menschen, die nichts damit anzufangen wissen." Das ist unser täglich selbst gewähltes Gefängnis.

Aufgerufen am 15.11.2018 um 10:03 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/lustige-dinge-traurige-leute-1173607

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