Maikäfer: Eine rare Delikatesse

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Teufelsküche | Essen & Trinken Peter Gnaiger

Ist es Ihnen auch aufgefallen? Dieses Jahr hat etwas gefehlt. Genau: die Maikäfer. Oder haben Sie welche gesehen? Eben. Bislang kamen sie vielleicht später. Dann nannte man sie Junikäfer. Aber sie kamen - wie das Amen im Gebet.

Obwohl: Um die Maikäfer sorgte sich schon Reinhard Mey 1974 in seinem Lied "Es gibt keine Maikäfer mehr". Damals rückte man ihnen mit dem Insektizid DDT zu Leibe. Dabei hätte man sie auch essen können. Beliebt war etwa bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts die Maikäfersuppe. Sie soll wie Krebssuppe geschmeckt haben. Für eine Person hat man 30 Käfer gerechnet. Sie wurden ohne Flügel und Beine in Butter angeröstet und dann in Kalbfleisch- oder Hühnerbrühe gegart. Die Suppe wurde gesiebt als Brühe serviert. Eine andere Variante war das Zerstoßen der Käfer im Mörser. Dann wurde die Suppe passiert und mit Mehlschwitze und Eigelb gebunden. In einem Text von 1844 werden Maikäfer auch als ungekochte Knabberei für Studenten erwähnt. Weiters heißt es: "In vielen Conditoreien sind sie überzuckert zu haben, und man isst sie candiert an Tafeln zum Nachtische."

Ja. Es ist schade, dass die Maikäfer ausgeblieben sind. Wo doch heute Gourmets für 20 Gramm Wanderheuschrecken locker 13,50 Euro hinblättern. Oder wurden die Maikäfer dieses Jahr gar von Gourmetlieferanten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eingesackelt? Und wir sehen sie nächstes Jahr wieder - pro Stück um drei Euro.

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