Mit dem Führerschein auf Zigeunerschnitzeljagd

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Teufelsküche Peter Gnaiger

Unsere Kellnerinnen und Kellner sind nicht zu beneiden. Sie sind kaum mehr in der Lage, ordnungsgemäß darüber Auskunft zu geben, ob die Speisen und Produkte auf ihren Speisekarten politisch korrekt sind oder nicht. Das Zigeunerschnitzel etwa ist gar nicht korrekt. Es soll Roma und Sinti herabwürdigen. Auch wenn sich bis heute kein Roma oder Sinti darüber beschwert hat. Irgendwie ist auch nicht ganz klar, wer all diese Korrekturen diktieren darf. Aber wir können uns sicher sein, dass viele dieser Korrektoren über einen gültigen Führerschein verfügen, dessen doppelte Bedeutung des Wortes in Österreich ja auch hinterfragenswert wäre. Und Vorsicht! Jetzt wird es unfassbar respektlos - Braunschweiger, Pariser, Frankfurter, Münchner oder Wiener: All diese Großstadtbewohner werden glatt als Würste bezeichnet. Oder Otto von Bismarck: Dieser wird als Bismarck-Hering verunglimpft. Die größte Leistung dieses kleinen Fischs ist, dass er zu einem Rollmops gewickelt werden kann. Hätte sich der schneidige Bismarck nicht mindestens einen Schwertfisch verdient? Und wir Salzburger müssen unseren Namen für Nockerl hergeben. Also für sündteure heiße Luft. Das ist Rufmord! Da sagt keiner was. Und ja! Wir wissen es: Negerkuss ist ein böses Wort. Aber von der Bedeutung her ziehe ich jeden Negerkuss einer Schwedenbombe vor. Aber bald ist eh alles egal. Dann gibt es nur noch Buchstaben für Allergene und chemische Abkürzungen auf Speisekarten zu lesen.

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