Seit alle alles zu wissen glauben, lässt es sich blendend lügen

Es ist eigenartig, wie viel pflanzliche Milch, Butter, Käse und Fleisch es schon gibt. Höchste Zeit, dass die EU ein Urteil sprach.

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Teufelsküche Peter Gnaiger

Kaum zu glauben: Mitten in Europa starb ein Kind an Unterernährung. Vorige Woche mussten sich in Belgien die Eltern des sieben Monate alten Lucas vor Gericht verantworten. Sie hatten ihn rein pflanzlich ernährt. Die Mutter sagte vor Gericht aus, dass sie ihren Sohn zwar kurz gestillt habe, dann aber auf vegane Ernährung umgestiegen sei. Konkret habe sie ihm "Milch" aus Reis und Buchweizen verabreicht. Das Kind wurde völlig dehydriert und unterernährt ins Krankenhaus gebracht, wo es verstarb. Das Gericht verurteilte die Eltern zu sechs Monaten unbedingter Haft.

Veganern wird ja oft ein übertriebenes Sendungsbewusstsein unterstellt. Dass viele von ihnen aus lauter Tierliebe sogar ihre Hunde zum doppelten Preis vegan ernähren, darf man ruhig als sündteure Tierquälerei betrachten. Wenn man aber Kinder vegan ernährt, dann ist das schlicht und einfach kriminell. Erwachsene mögen essen, was sie wollen. Sie können Mangelerscheinungen mit Nahrungsergänzungsmitteln relativ problemlos ausgleichen. Aber Kleinkindern fehlen aus wissenschaftlicher Sicht bei rein pflanzlicher Ernährung Eiweiß, Eisen, Kalzium, Jod, Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Es ist nur ein Zufall, dass sich zeitgleich mit dem Prozess gegen die vegan lebenden Eltern in Belgien auch der EU-Gerichtshof in Luxemburg mit dem Thema "pflanzliche Milch" befasste. Er befand, dass es irreführend sei, wenn Unternehmen Lebensmittel als Sojamilch, Tofubutter oder Veggie-Käse verkaufen. Der beklagte Unternehmer und zahlreiche vegane Internetforen beklagen seitdem, dass ihnen mit diesem Urteil ein schweres Unrecht widerfuhr. Ihre Begründung lautet: Es wisse doch jeder, dass es sich hierbei nicht um echte Milchprodukte handelt. Diese Begründung ist lustig. Ermuntert sie doch viele andere Branchen zur Nachahmung. So könnte sich etwa die Salzburg AG in "Chateau Kapuzinerberg" umbenennen und Leitungswasser als Rotwein verkaufen. Natürlich zehn Mal so teuer wie bisher. Das fiel nicht einmal Jesus ein. Man könnte auch Parteizeitungen als unabhängige Zeitungen verkaufen, Grillhühner als fangfrischen Steinbutt, Kaugummi als Speiseeis, Flugbenzin als Energydrink und Brot als Fußball. Weiß eh jeder, dass was anderes dahinter steckt. Das ist ja der Spaß - oder?

Nein, meine lieben veganen Freunde: Die Sache mit der Milch ist Etikettenschwindel. Milch ist tierischen oder menschlichen Ursprungs und sie besteht aus Wasser, Kohlenhydraten, Fett, Eiweiß, Spurenelementen, Kalium, Natrium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Phosphor. Und noch etwas sei in diesem Zusammenhang verraten. Es gibt auch keine veganen Hühnerkeulen aus Freilandhaltung.

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