Süße Kugeln für den Ball der Bälle

Der Wiener Opernball rüstet kräftig mit Dosenware aus Salzburg auf.

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Teufelsküche | Essen & Trinken Peter Gnaiger

Muss man sich Sorgen um die Schönen und die Reichen machen? Beim nächsten Opernball im Februar 2017 gibt es offenbar außerordentlich viel Essen aus der Dose. Die luxuriösen Care-Pakete mit den luftdicht eingeschweißten Köstlichkeiten werden aus Grödig geliefert. Mit dem Preis von 34,90 Euro pro Dose dürfte der Produzent Walter Grüll bei den zahlungskräftigen Ballgästen auch im richtigen Teich fischen. Der Inhalt der Dosen ist süß, prickelnd und stark im Abgang: Es sind - kein Scherz - Kaviarpralinen. Wenn Sie jetzt fragen, wie man auf so eine Idee kommen kann, dann haben wir durchaus Verständnis für Ihre Frage. Kaviar und Schokolade - über diese Mischung traute sich bislang nicht einmal Josef Zotter. Und der gilt immerhin als Miraculix unter den Chocolatiers. Für Grüll ist so eine Mischung aber - sagen wir einmal - eine Fingerübung. Mit seinen bisherigen Ideen hat er seit Jahren einen exzellenten Riecher bewiesen. Er machte weltweit Schlagzeilen, weil ihm die Zucht von Albino-Stören gelang. Die geben weißen Kaviar. 10 Gramm davon kosten 250 Euro. Was einen Kilopreis von 25.000 Euro ergibt. Kürzlich bastelte er auch Chips aus Thunfisch und Schweinsbratwürstel aus Filet vom Wels.

Seitdem steht er nicht mehr nur bei hungrigen Salzburgern, sondern auch bei satten Russen und Arabern hoch im Kurs. Was den bescheidenen Daniel Düsentrieb der heimischen Unterwasserkultur aber ziemlich kalt lässt. Grüll steht immer noch lieber knietief im Wasser als auf poliertem Parkett. Und wenn ihm das Wasser bis zum Knie steht, dann verleiht ihm offenbar immer irgendeine höhere Macht Flügel. Sein letzter Geistesblitz: Gemeinsam mit der Chocolatière Johanna Gschaider und mit seinem Freund, dem "Fischerwirt" Harald Huber, ertüftelte er die ersten "Kaviarpralinen". Die Füllungen gibt es mit Trottarga (pulverisiertem Kaviar von der Forelle), Strottarga (fermentiertem Kaviar vom Stör), Karamell, Trüffel, Weißer Trüffel und Kaviarbrand.

Dass es diese Köstlichkeiten neuerdings beim Opernball geben soll, das liegt an der Qualitätsoffensive der neuen Opernballchefin Maria Großbauer. Damit macht sie nichts falsch. Grülls Kaviar-Kunden sind allesamt Fans. Die klopfen nun vielleicht auch beim Opernball an. Und wenn Großbauer ganz raffiniert ist, dann öffnet sie die Pforten der Oper auch noch für Grülls Laxfurter - das sind Würste aus Lachsfleisch. Dafür wird man vom Volk geliebt.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 11:47 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/suesse-kugeln-fuer-den-ball-der-baelle-961582

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