Über die Wortflut der Menschenfischer und ihre Heiligenlegenden

Es gibt schon Sommeliers für Wein, Bier, Käse, Kaffee, Tee, Wasser und Brot. Da hat der Fisch-Sommelier gerade noch gefehlt.

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Der Wein ist heute das Maß aller Belehrungen. Dafür hat eine Spezialeinheit gesorgt, die als Sommeliers bekannt wurde. Bevor diese rhetorisch geschulten Nahkämpfer ihr Mundwerk starteten, gab es nur vier Kriterien bei der Beurteilung von Wein: rot oder weiß, zu warm oder zu kalt, gut oder schlecht und vor allem: zu wenig oder zu viel. Aber dann begab es sich, dass Ende der 1970er-Jahre Sommeliers wie die Sint- - Pardon: wie die Wortflut über uns hereinbrachen. Sie belehrten uns und vermehrten sich. Jede gesellige Weinrunde verfiel in Schockstarre, wenn ein per VHS-Kurs frisch geschulter Sommelier im Lokal zu dozieren begann. Widerspruch gegen die selbst ernannten Weinpäpste war zwecklos. Dabei hätte es immer viel nachzufragen gegeben. So wie bei dem folgenden Text eines österreichischen Weinmagazins: ... er bietet vielschichtiges Aromenspiel zwischen üppiger Steinobstfrucht und pfeffrigem Würzeschliff, zupackend und ewig lang wie Steinertal, der einmal mehr mit der ganzen Subtilität und Finesse der Lage im spannenden Spiel zwischen fein nuancierten Fruchtnoten und ebenso pikanter wie tiefer mineralischer Würze betört. Eine noch jugendliche Quintessenz verkörpert die Reserve. Aha.

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Aufgerufen am 18.06.2018 um 09:29 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/ueber-die-wortflut-der-menschenfischer-und-ihre-heiligenlegenden-25340734