Was echte Überflieger von Unterhosen halten

Die Würde des Menschen ist unantastbar? Ja. Schon. Außer er lässt selbst die Hosen runter. Bericht über einen ganz normalen Arbeitstag.

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Teufelsküche Peter Gnaiger

Das waren noch Zeiten, als in Gourmet-Zeitschriften zu lesen war: "Passieren Sie diese Sauce anschließend durch ein Sieb." Heute muss offenbar ständig was passieren. Die Zeitschrift "Rolling Pin" ließ mich gestern schon am frühen Morgen per E-Mail in der Betreffzeile wissen: "Wir gehen für Sie in den Puff" (kein Scherz). Neugierig, wie ich bin, las ich weiter: "Kochen im Rotlicht. Wo Peter Katzbauer seine Kreationen anrichtet, tanzen die Puppen. Der smarte Küchenchef des exklusivsten Saunaclubs Österreichs über nackte Tatsacken (sic!), geile Gerichte und die Faszination Freudenhaus." Saunaclub? Rotlicht? Lautet der neueste Trend in der Spitzenküche "Infrarotgaren"? Nein. Es geht tatsäcklich - Pardon: tatsächlich - um "Kochen zwischen Tabledance-Stangen". Das Cover des Magazins wird dazu passend von Alex Atala geziert. Der brasilianische Koch zog sich für die Leser des Gourmetmagazins wieder einmal nackt aus. Er zeigt auch seinen Mittelfinger. Was das Interesse meiner Tochter schürte. Dann ist zu lesen: "Vom Bad Boy zum Sternekoch: Konventionen: scheißegal. Signature-Geste: ausgestreckter Mittelfinger. Der Mann kann nur extrem - oder gar nicht. Und serviert Ameisen, um Brasiliens fragiles Öko-System zu retten." Na Mahlzeit. Auf zum nächsten E-Mail. Das stammt von einer Wiener Werbeagentur. Diese will eine Wurst vom Wildschwein namens Keilernossi bekannt machen. "Sie ist 20 Zentimeter lang,
1 Zentimeter stramm und besteht aus festem Fleisch vom wilden Schwein",
schreiben die feinsinnigen Herrschaften. Unter den Gästen waren etwa der Gault-Millau-Herausgeber Karl Hohenlohe, der ja selbst schon mal ein Würstel namens "Fürstel" kreiert hat. Also zweifellos ein ausgewiesener Fachmann des Fleischerhandwerks ist. Auch Christian Konrad war da, Josef Pröll sowieso und den gesellschaftlichen Segen erteilte "Benimm-Papst" Thomas Schäfer-Elmayer. "Nach der Verkostung und dem Genuss von Zielwasser bewiesen einige Herrschaften Humor und griffen zum Stoppelgewehr." Ja. Sehr lustig. Die Gedanken schweifen zur europäischen Konvention zum Schutz der Menschenwürde. Konvention? Da dürfen wir abschließend den Sternekoch Alex Atala zitieren: "Scheißegal."

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