Wehret den Anfängen der neuen Rechts-Schreibung

Freud'sche Versprecher sind unterhaltsam, Freud'sche Verschreiber noch mehr: Heute geht es um Wermut und Wehrmutstropfen.

Autorenbild

Wir kennen ihn alle: den Freud'schen Versprecher. Mein Favorit ist: "Die Zirpen grillen." Nach Sigmund Freud handelt es sich hierbei um eine sprachliche Fehlleistung, bei der ein angeblicher Hintergedanke oder eine Intention des Sprechers unwillkürlich zutage tritt. In der Politik lieferte diesbezüglich der deutschnationale Abgeordnete Wilhelm Lattmann ein Meisterstück. Er trat 1908 im Parlament für eine "Ergebenheitsadresse" an Wilhelm II. ein. Diesen Wunsch formulierte er so: "... und wenn man das tue, ... so wollen wir das auch rückgratlos tun." Daraufhin folgte im Parlament minutenlange Heiterkeit. Lattmann erklärte dann, er habe natürlich rückhaltlos gemeint. Wie komisch dieser Versprecher war, ergibt sich aus der Definition der "Ergebenheitsadresse". So nannte man einen öffentlichen Brief an eine Person, meistens einen Vorgesetzten, Monarchen oder Regierungschef, in dem der Absender dem Adressaten seine Loyalität signalisiert.

Lesen Sie den ganzen Artikel mit dem SN-Digitalabo Sie sind bereits Digitalabonnent?

Abo Icon Digital

Digitalabo gratis testen

Testen Sie jetzt das Digitalabo der SN 7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Digitalabo weiter testen

Ihr 7 Tage Testabo ist bereits abgelaufen. Jetzt verlängern und weitere 30 Tage kostenlos testen.

Aufgerufen am 19.06.2018 um 10:54 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/wehret-den-anfaengen-der-neuen-rechts-schreibung-25012921