Wo der Bauer den König sticht

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Teufelsküche | Essen & Trinken Peter Gnaiger

"Akademikerpaar bewirtschaftet Alm." Das war in dieser Woche eine viel beachtete Schlagzeile. Warum ist das eigentlich so ungewöhnlich? Nach einem Almbauern, der ein Studium beginnt, kräht ja auch kein Hahn.

Das Interesse an dieser Geschichte dürfte deshalb so groß sein, weil wir Akademiker gesellschaftlich "höher" einstufen als Bauern. Und das ist eigentlich ziemlich überheblich. Diese Überheblichkeit erinnert mich aber auch an ein Gespräch in Paris, das ich anlässlich von Feierlichkeiten des Guide Michelin mithören durfte. Ein deutscher Kollege fragte dort während des Essens in einem Sternerestaurant unsere Begleitung, welche Funktion sie im Reifenkonzern denn überhaupt innehabe. Sie antwortete: "Landwirtschaftliche Nutzreifen" - und der Kollege lachte überheblich. Dann sagte er: "Na, da sind sie ja sicher froh, dass sie heute einmal bei den schönen Dingen des Lebens dabei sein dürfen." Die Dame gab trocken zurück: "Nein. Ich bin stolz, dass ich mich um die Reifen der Traktoren kümmere, die bei der Ernte des Gemüses geholfen haben - das Sie hier eben essen durften."

Sie erinnerte damit auch an eine Weisheit von A. J. Liebling, einem legendären Schreiber des "New Yorker". Er meinte einmal: "Ein kluger Mensch frisst sich immer von unten nach oben." Das tun die Kühe auf der Alm übrigens auch. So was lernt man an keiner Universität. So was lernt man nur im Leben - oder auf einer Alm.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 05:05 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/wo-der-bauer-den-koenig-sticht-1196191

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