Wo noch gekocht wird, da lasst euch ruhig nieder ...

Es ist nie zu spät, rechte Recken auf den richtigen Weg zu bringen. Man sollte es mit Liebe versuchen - und mit betörendem Essen.

Autorenbild

Bücher sind gewichtig. Sie können die Welt verändern. So wie "Das Kapital" von Marx oder "Mein Kampf" von Hitler. In Niederösterreich wurde vorige Woche sogar bekannt, dass eine Burschenschaft namens Germania aus einem Liederbuch Aufrufe zum Völkermord sang. Die betreffenden grausligen Stellen sind heute immerhin geschwärzt. Dazu drei Anmerkungen der Teufelsküche. Erstens: Warum werden immer die falschen Bücher verbrannt? Zweitens: Diese Burschenschaft schändete auf übelste Weise das gesellige Sprichwort "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder". Wo? Bitte wo kann man sich jetzt noch ruhig hinsetzen? Das führt zur dritten Frage: Ist Kochen die letzte moralisch unantastbare Instanz auf Erden? Die Teufelsküche meint: Ja - und stellt den Antrag, dass alle Kochbücher von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt werden sollte. Besonders liegt uns da ein vergriffenes Büchlein aus dem Jahr 1960 am Herzen. Es trägt den Titel "Guten Appetit" und wurde von Lydia Beck verfasst. Allein schon der Titel kratzt am Friedensnobelpreis. Denn die Wörter "gut" und "Appetit" ermahnen uns, dass die Nährpflicht stets der Wehrpflicht vorzuziehen ist. Abgesehen davon ist gutes Essen immer auch erotisch. Das kann man in einem mit "27. Decembris 1846" datierten Brief in dem Büchlein nachlesen: Wenn ein Mannsbild in der Finster von eyn Stück Torten abbeißt, das eyn Madel grad hält, werden selbige im nächsten Jahr eyn Paar sein. Man nannte solche Torten "Munkeltorten". Im Dunkeln war aber nicht nur gut munkeln. Von dieser Torte könnten auch zwei schöne Sprachbilder herrühren: Jenes vom Madl, das zum Anbeißen schön ist. Und jenes vom Junggesellen, der doch noch angebissen hat. Mark Twain beschrieb diese raffinierte Anfütterung von Männern so: "Die Frau ist ein Fisch, der den Angler fängt."

Lesen Sie den ganzen Artikel mit dem SN-Digitalabo Sie sind bereits Digitalabonnent?

Abo Icon Digital

Digitalabo gratis testen

Testen Sie jetzt das Digitalabo der SN 48 Stunden lang kostenlos und unverbindlich.

Digitalabo weiter testen

Ihr 48 Stunden Testabo ist bereits abgelaufen. Jetzt verlängern und weitere 30 Tage kostenlos testen.

Aufgerufen am 25.05.2018 um 05:02 auf https://www.sn.at/kolumne/teufelskueche/wo-noch-gekocht-wird-da-lasst-euch-ruhig-nieder-23552344