Das alte Bad reicht. Es könnte Kult werden.

Die Salzburger haben für ihr Bad in den 1950ern sogar eine Sondersteuer gezahlt. Sie sollten es behalten: Charme- statt Spaßbad.

Autorenbild
via konkret Sylvia Wörgetter

Natürlich war in der guten alten Zeit nicht alles besser. Aber manches ging schneller. Der Bau eines Hallenbads beispielsweise. Vom Beschluss im Gemeinderat bis zur Eröffnung brauchte die Stadt Salzburg einst ganze drei Jahre. Das kann man im Stadtarchiv nachlesen.

15. Juli 1953: Der Gemeinderat beschließt die Errichtung eines Kurmittelhauses mit Hallenbad, eines Hotels und eines Stadtsaals (der später Kongresshaus genannt wird, Anm.).

21. Juli 1956: Bundespräsident Körner übergibt das neue Hallenschwimmbad im Kurhaus und das Kurmittelhaus ihrer Bestimmung.

Zwar verzeichnet die Chronik, dass auch dem Bau des alten Paracelsusbads lange Debatten vorausgingen. Sie wurden aber wohl in Lichtgeschwindigkeit abgeführt, verglichen mit dem gut 20 Jahre währenden Gezerre um das "Spaßbad".

Diese quälend lange Zeitspanne ist mit ein Grund dafür, warum die Sache jetzt so verfahren ist. Als die Stadtpolitik vor zwei Jahrzehnten ernsthaft anfing, über ein Erlebnisbad nachzudenken, gab es den Bedarf an einem großen Angebot, das alle Bedürfnisse befriedigt: Spaß für die Kinder, Sport für die Ehrgeizigen, Wellness für die Genießer.

In diesen Jahren der hochfliegenden, aber nie realisierten Ideen entstanden und entwickelten sich vor den Toren der Stadt genau diese Angebote: die Rupertustherme in Bad Reichenhall, die Watzmanntherme in Berchtesgaden, das Aqua Salza in Golling. Und auch das Badylon in Freilassing, das vom Hochwasser 2013 zerstört wurde, wird wiederaufgebaut werden.

Warum also auch noch ein großes Erlebnisbad in der Stadt? Damit die Stadtpolitiker beweisen, dass sie es doch können?

Es war nur eine Momentaufnahme, aber eine, über die es sich lohnt, nachzudenken: Bei einem SN-Lokalaugenschein im Paracelsusbad sprachen sich am Donnerstag die meisten Besucher dafür aus, das Bad zu sanieren, statt es abzureißen und neu zu bauen. Gegebenenfalls solle es behutsam ergänzt werden: um einen Kinderbereich etwa oder eine Rutsche, mehr Liegeflächen. Im Großen und Ganzen aber habe der 50er-Jahre-Bau sehr viel Charme, war zu hören. Und sei für Schüler, Senioren und Familien ideal gelegen. Die 60 Jahre haben zwar Spuren hinterlassen, der Bau am Kurgarten ist renovierungsbedürftig. Aber im Grunde ist er ein kleines, feines Innenstadtbad. Es ist jenen, die es nutzen, ganz offensichtlich ans Herz gewachsen.

Die Salzburger waren einst bereit, eine "Sondersteuer" für ihr Bad zu zahlen. Der Landtag genehmigte am 6. August 1953 eine Bäderbau-Abgabe. Demnach mussten alle erwerbstätigen Stadt-Salzburger bis zu 4,50 Schilling pro Monat zahlen. Die Einhebung begann am 1. Februar 1954 und war mit höchstens zehn Jahren begrenzt.

Heute sind die Kassen der Stadt gut gefüllt. 55 Millionen Euro stehen für einen Neubau des Bades zur Verfügung. Salzburg könnte einen Teil dieser Rücklage genauso gut in die Renovierung und Adaptierung des Paracelsusbads stecken. Dafür bekäme es ein Bad mit dem Flair und der Seele der 1950er-Jahre, das Kultstatus erlangen könnte.

Und das Beste daran: Mit dem gesparten Geld ließen sich andere Dinge finanzieren, die den Salzburgern nützen. Und die vergessen lassen, wie frustrierend die Suche nach einem Spaßbad einmal war.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 06:56 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/das-alte-bad-reicht-es-koennte-kult-werden-3088351

Schlagzeilen