Das böse Spiel mit den Spitalsärzten

Es wird wohl nicht zum Streik kommen. Falls doch: Es wäre den Ärzten nicht zu verdenken.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Der Konflikt um die Arbeitszeiten und Gehälter an den Salzburger Landeskliniken (SALK) wird schärfer. Eine Gruppe von Anästhesisten hat diese Woche sogar mit "Arbeitskampf" gedroht. Sollte sie ernst machen, könnte ihr das niemand verdenken. Die Politik hat in den vergangenen Jahren ein böses Spiel mit den Medizinerinnen und Medizinern in den Spitälern gespielt. Sie hielt die Ärzte in einer Art Doppelmühle gefangen.

Mühle auf: Heimische Spitalsärzte arbeiten wesentlich länger, als die EU erlaubt. An den SALK herrschen Wochenarbeitszeiten von bis zu 72 Stunden. Die Arbeitszeitrichtlinie der EU - sie gilt nicht erst seit gestern, sondern seit 2003! - erlaubt maximal 48 Wochenstunden.

Die Ärztekammer kritisiert das seit langem. Aber sie weiß: Die Ärzte müssen nicht nur Dienste und Überstunden schieben. Viele wollen das sogar, und zwar notgedrungen.

Und hier geht die Mühle wieder zu: Heimische Spitalsärzte erhalten ein - im europäischen Vergleich - mickriges Grundgehalt. Daher sind sie auf die Dienste und Überstunden geradezu angewiesen. Sie machen bis zu einem Drittel des Einkommens aus.

So ging das Spiel über Jahre. So geht es aber nicht weiter.

Nun sitzen die Ärzte am längeren Ast. Das verdanken sie einerseits der EU, die die Verkürzung der Arbeitszeiten quasi ultimativ einfordert, und andererseits dem Umstand, dass es zu wenige Ärzte gibt. Mediziner können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Und die Bezahlung ist fast überall besser als hier. Daher sitzt jetzt das Land in einer Doppelmühle.

Mühle auf: Würden Land und Landeskliniken die Arbeitszeiten auf einen Schlag auf 48 Stunden verkürzen, müssten sie bis zu einem Drittel mehr Ärzte anstellen. Das ist nicht nur verdammt teuer, sondern wegen des Ärztemangels fast unmöglich. Daher wollen die SALK die erlaubten Übergangsfristen bis 2021 nutzen und die Arbeitszeit schrittweise verringern - in einem ersten Schritt auf maximal 60 Stunden.

Dem aber muss jede einzelne Ärztin und jeder einzelne Arzt zustimmen. Was sich deren Vertreter mit einem neuen Besoldungssystem und angemessenen Grundgehältern "abkaufen" lassen wollen. Motto: Weniger arbeiten, bei vollem Lohnausgleich. Für Land und Klinikleitung geht die Mühle zu: Auch das kostet viele Millionen.

Den Ärzten ist das nicht vorzuwerden, sie sollen endlich bekommen, was sie verdienen. Ärgerlich ist nur, dass die Politik die EU-Richtlinie - typisch österreichisch - elf Jahre lang mehr oder weniger ignoriert hat. Wären die nötigen Arbeitszeit- und Gehaltsreformen seit 2003 erfolgt, wäre die Sache deutlich billiger gewesen. Wie bei der Hypo Alpe Adria kommen auch hier die Steuer- und Beitragszahler für die Untätigkeit der Politik auf. Auch sie sitzen in einer Doppelmühle. Aus der aber gibt es kein Entrinnen.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 06:30 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/das-boese-spiel-mit-den-spitalsaerzten-3068566

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