Der Verkehr könnte die Wahl entscheiden

Der Stau in der Stadt Salzburg wird zur Normalität. Das regt alle auf. Nun will der Bürgermeister endlich gegensteuern. Ist es dafür schon zu spät?

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via konkret Sylvia Wörgetter

Im Sommer hatte Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) angesichts des Dauerstaus zur Festspielzeit noch "Gelassenheit" empfohlen. Mittlerweile scheint er selbst nicht mehr allzu gelassen zu sein. Unter dem Eindruck des Verkehrsinfarkts am Tag der Deutschen Einheit hat er ein Beschleunigungs- und Investitionsprogramm für den Obus angekündigt.

Das ist löblich. Das ist überfällig. Aber ist es genug?

Diese Woche zeigte erneut, wie prekär die Verkehrssituation mittlerweile ist. Ein kleines Ereignis in der Stadt oder ihrer nahen Umgebung reicht - und alles steht. Diese Woche waren es 40 Quadratmeter frischer Beton auf der Autobahn zwischen Eugendorf und Stadtgrenze, die den Verkehrsfluss für Stunden stoppten; ein anderes Mal wird es ein an neuralgischer Stelle hängen gebliebener Obus sein; oder der Christkindlmarkt, der Touristenscharen in die Stadt lockt. Oder, oder, oder.

Das Problem besteht darin, dass immer mehr Menschen mit dem Auto in die Stadt oder durch diese hindurch wollen - mehr als die Verkehrsflächen aufnehmen können.

Jetzt rächen sich die Versäumnisse der Vergangenheit.

Vor allem wurde der öffentlichen Verkehr in der Stadt nicht zu einer schnellen, günstigen und echten Alternative ausgebaut. Dieser Vorwurf trifft in erster Linie Rot-Grün. Heinz Schaden (SPÖ) und Johann Padutsch (Bürgerliste) hatten rund 15 Jahre lang gemeinsam die Verkehrspolitik bestimmt - bis zu ihrem Zerwürfnis vor zwei Jahren. Heute müssen sie zur Kenntnis nehmen: Die Obus-Fahrgastzahlen steigen zwar jährlich um ein bis zwei Prozent. Doch der Autoverkehr steigt viel, viel stärker; nur
15 Prozent der Menschen in
der Stadt nehmen die Öffis.

Das Beispiel eines Pendlers illustriert, warum das so ist: Von Seekirchen bis zum Hauptbahnhof braucht er mit der S-Bahn 13 Minuten; vom Bahnhof durch die Stadt nach Salzburg-Süd ist er fast 30 Minuten unterwegs - mehr als doppelt so lange. Kein Wunder, wenn er sich doch wieder ins Auto setzt.

Weiters fehlt noch immer ein nachvollziehbares, verlässliches und klares System der Zufahrtsmöglichkeiten in die Innenstadt für Touristen. Das Park-&-Ride-System nehmen sie nicht an. Statt diesen Umstand jedes Jahr im Sommer aufs Neue zu beklagen, sollte sich die Stadt endlich fragen, was mit einem Angebot nicht stimmt, da es keine Abnehmer findet. Ist es zu teuer, zu langsam, zu kompliziert?

Betrachtet man die Verkehrsströme im Bundesland Salzburg, gleicht die Stadt einem pulsierenden Herzen. Kommt es in diesem Herzen oder seiner Nähe zu einer Verstopfung, folgt der Infarkt.

In Salzburg werden die Intervalle zwischen den Infarkten immer kürzer. Die Bewohner der Stadt verlieren zunehmend die Geduld mit der Verkehrspolitik. Egal ob sie Auto, Bus, Rad oder die eigenen Füße als Verkehrsmittel bevorzugen - Chaos und Stau beeinträchtigen die Lebensqualität aller.

Daher wird das Thema Verkehr zum Megathema der Politik. Es hat in der Stadt das Potenzial, die nächste Wahl zu entscheiden. Das weiß Heinz Schaden natürlich. Davon könnte seine Kurskorrektur in der Verkehrspolitik rühren.

Die Frage ist, ob sie nicht zu spät kommt. Nun soll in drei Jahren glücken, was in mehr als einem Jahrzehnt nicht gelang.

Die Stadt wird das Steuer jedenfalls nicht allein herumreißen können. Sie braucht dazu das Land. Eine Bahn durch die Stadt, die diese von Norden kommend mit dem Süden des Landes verbindet, könnte der nötige Bypass sein. Doch das Verhältnis zwischen dem Bürgermeister und dem zuständigen Landesrat Hans Mayr ist heillos zerrüttet. Auch hier gilt: Nichts geht mehr.

Bliebe noch, den Fall zur "Chefsache" zwischen dem Bürgermeister und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) zu erklären - und auf einen Durchbruch zu hoffen.

Ansonsten wird das Einzige, das in Salzburg noch beschleunigt, der Pulsschlag der Bürger sein: Wenn sie wieder einmal im Stau stecken.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 01:22 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/der-verkehr-koennte-die-wahl-entscheiden-973402

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