Es ranken sich Mythen um den Mönchsberg

Der Streit um den Ausbau der Mönchsberggarage wird mit Argumenten geführt, die einer Überprüfung nicht immer standhalten.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Eigentlich ist ja der Untersberg der Salzburger Sagenberg. Aber seit im Mönchsberg 654 neue Garagenplätze gebaut werden sollen, ist der Stadtberg zum Hort von Mythen und Legenden geworden. Je länger der Streit zwischen Stadt und Land, Parkgaragengesellschaft und Anrainern dauert, desto mehr dieser Mythen tauchen auf. Es ist daher Zeit, sie auf ihren wahren Kern zu überprüfen.

Mythos eins: Wir lassen die Autos im Berg verschwinden und alle Verkehrsprobleme sind gelöst.

Dieses Bild zeichnen Garagenbefürworter gerne. Nur: Es ist zu schön, um wahr zu sein. Nach einem Garagenausbau werden 654 Autos mehr Platz im Berg finden. Dann ist die Garage voll. Und alle weiteren irren trotzdem auf der Suche nach Parkplätzen durch die Stadt - speziell im Sommer.

Die zusätzlichen Parkplätze im Berg bringen aber sehr wohl eine Verbesserung für Salzburger Dauerparker, die bisher keinen Platz fanden, sowie für Gäste und Festspielbesucher am Abend, nachdem die Tagestouristen weg sind.

Mythos zwei: Der Garagenbau ruiniert den Krauthügel und bringt historische Schätze wie den Almkanal in Gefahr.

Dieses Szenario malt die Bürgerinitiative gegen den Garagenausbau. Die Erfahrung lehrt anderes: Die Barmherzigen Brüder haben vor zehn Jahren eine Tiefgarage mit 300 Plätzen unter ihrem Spital errichtet - mitten in der Altstadt und bei laufendem Krankenhausbetrieb. Das Ganze verlief inklusive Abtransport des Aushubmaterials derart reibungslos, dass die Bauerei fast unbemerkt über die Bühne ging. Kaum anzunehmen, dass es am Krauthügel so viel anders sein sollte. Das Projekt ist zwar doppelt so groß, es gibt aber auch mehr Platz.

Mythos drei: Astrid Rössler handelt aus Willkür.

Diese Sicht teilen Stadtpolitiker von SPÖ und ÖVP. Die Sache liegt einfacher. Rössler handelt aus grüner Überzeugung. Die Raumordnungsreferentin kann den Ausbau der Mönchsberggarage nicht verhindern. Aber sie kann als Aufsichtsbehörde einen negativen Bescheid zur Änderung des Flächenwidmungsplanes ausstellen. Genau das tat sie diese Woche. Möglich war ihr das nur aufgrund einer Bestimmung, die sich die Stadt selbst gegeben hatte. Im Räumlichen Entwicklungskonzept der Stadt steht nämlich, dass neue Parkplätze nur gebaut werden dürfen, wenn eine "adäquate" Anzahl anderer gestrichen wird. 155 hält Rössler nicht für einen adäquaten Ausgleich für 654 neue Stellplätze. Hätte die Stadt wesentlich mehr Parkplätze zur Streichung angeboten, hätte Rössler keinen Interpretationsspielraum gehabt - und bewilligen müssen.

Mythos vier: Es gibt keine Innenstadtparkplätze mehr,
die man auflösen könnte.

Stimmt nicht. Sie befinden sich sogar in bester Lage am Franz-Josef-Kai. Dort betreibt das Rote Kreuz auf einem Grund der Stadt einen Parkplatz - und nimmt damit rund 600.000 Euro im Jahr ein. Geld, auf das die Rettungsorganisa stion keinesfalls verzichten kann. Würde der Parkplatz in einen Park umgewandelt, müsste das Rote Kreuz entschädigt werden. Man könnte ihm, zum Beispiel, Einnahmen aus den neuen Garagenplätzen im Mönchsberg überlassen. Das müssen Stadt und Land nur wollen - ihnen gehört die Parkgaragengesellschaft nämlich.

Womit wir beim Geld sind und aus der Welt der Mythen zurück in der Realität. Hier finden keine Wunder statt. Die Probleme Salzburgs mit dem Verkehr sind so groß, dass ein paar Garagenplätze sie weder lösen noch wesentlich verschlimmern. Auch wenn es schon fad ist: Ohne einen gemeinsamen Kraftakt von Stadt und Land wird es nicht gehen.

Aufgerufen am 26.09.2018 um 08:54 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/es-ranken-sich-mythen-um-den-moenchsberg-601126

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