Frau versetzt, Fall erledigt

Sexuelle Belästigung: Sie kommt tausendfach vor und wird meist totgeschwiegen. In einem Fall scheint das dem zuständigen Politiker und der Frauenbeauftragten auch das Liebste zu sein.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Im Salzburger Landestheater herrscht dicke Luft. Ein leitender Angestellter hat eine Mitarbeiterin mit zumindest einer sexistischen SMS der derben Sorte belästigt. Das ist unstrittig. Es wird auch vom Betreffenden nicht in Abrede gestellt. Es gab eine Mediation, die die Lage offenbar nur vorübergehend beruhigt hat. Das Opfer der sexistischen Attacke per SMS wurde versetzt. So weit die Fakten.

Belästigungen wie diese kommen tausendfach vor. Dass das Opfer statt des Belästigers die Konsequenzen zu tragen hat, indem es versetzt wird, empörenderweise auch: Frau versetzt, Fall erledigt.

In diesem speziellen Fall aber geht das nicht so einfach. Denn er hat eine politische Dimension. Für das Landestheater und seine Führungsriege ist nämlich der Theaterausschuss von Stadt und Land verantwortlich und vor allem dessen Vorsitzender: LH-Stv. David Brenner (SPÖ).

Dieser hat nicht nur keine nennenswerten Konsequenzen gezogen, nachdem ihm und anderen Verantwortlichen der Fall bekannt geworden war. Er hat auch einer Vertragsverlängerung des Betreffenden zugestimmt. Sogar über einen ordentlichen Gehaltssprung - aus dem dann doch nichts wurde - hat er noch verhandelt. Und jetzt, da der Fall publik geworden ist, beruft sich Brenner auf eben diesen Vertrag: Leider, leider, eine vorzeitige Vertragsauflösung sei nicht möglich, weil sie das Land teuer zu stehen käme.

Das sind Aussagen, die nicht dazu angetan sind, den Verdacht zu zerstreuen, den Kulturreferenten und den fraglichen Theatermitarbeiter verbinde mehr als eine lose Bekanntschaft. Zumal Letzterer seine guten Beziehungen zum hohen SPÖ-Politiker betont. Kurz: Das Ganze riecht nach "Freunderlwirtschaft". Der Auftritt der Gleichbehandlungsbeauftragten des Landes hat es nicht besser gemacht. Romana Rotschopf schaffte es, die Medien zu einem "Round Table" zum Thema sexuelle Belästigung zu laden, ohne den aktuellen Fall auch nur mit einem Sterbenswörtchen zu erwähnen.

So entsteht der Eindruck, selbst die Gleichbehandlungsbeauftragte würde am liebsten nach dem Motto vorgehen: "Frau versetzt, Fall erledigt." Dabei ist das Einzige, was hier erledigt ist, ihre eigene Glaubwürdigkeit und die David Brenners.







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