Haslauer und Schaden ans Steuer, bitte!

Angekündigte Staus finden nicht statt. Das ist die gute Nachricht nach dem 8. Dezember. Die schlechte: Viele mieden die Altstadt. Das ist ein Problem.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Am Vormittag des 8. Dezember, eines der umsatzstärksten Tage des Handels, gab es noch freie Plätze in der Mönchsberggarage. Der angekündigte Stau fand nicht statt. Das lässt zwei Schlüsse zu.

Erstens: Viele Menschen haben ihr Auto zu Hause stehen lassen und sind mit Bus oder Bahn zum Einkaufen in die Stadt gekommen. Das ist eine erfreuliche Annahme, weil sie von der Vernunft der Verkehrsteilnehmer ausgeht.

Zweitens: Viele Menschen sind erst gar nicht in die Stadt gekommen, weil sie von der Aussicht auf Stau abgeschreckt wurden. Das ist keine erfreuliche Annahme, weil sie davon ausgeht, dass die Menschen der Regelungskraft der Verkehrspolitik nicht mehr vertrauen.

Nach dem chaotischen Sommer und Herbst wäre es kein Wunder, wäre folgende Gleichung "gelernt" worden: Zusätzliche Belastungen (Unfall, Baustelle oder diesmal marschierende Fußballfans) = Stau. Wenn dem so ist, dann wirkt sich die Verkehrspolitik, besser gesagt deren Fehlen, bereits negativ auf Handel und Gastronomie aus. Das ist vor allem für die Altstadt ein Problem.

Höchste Zeit also gegenzusteuern. Und dieses Steuer müssen die Spitzen von Land und Stadt in die Hand nehmen - Wilfried Haslauer (ÖVP) und Heinz Schaden (SPÖ). Sie müssen das Vertrauen in die Planbarkeit und die Berechenbarkeit von Verkehr wiederherstellen. Die Ressortchefs sind dazu nicht mehr in der Lage. Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (BL) findet für seine Forderung einer Citymaut keine Mehrheit; für andere Konzepte zu kämpfen, hat er aufgegeben. Verkehrslandesrat Hans Mayr (SBG) hat kein Geld im Budget und nach dem Chaos in der Wohnbauförderung keine Autorität mehr. Zwar gab es bereits einen großen und einen kleinen Gipfel zwischen Stadt und Land. Einige lobenswerte, aber kleinere Maßnahmen wurden beschlossen. Doch der Verkehr in Stadt und Umland benötigt mehr - und das rasch.

Mobilität braucht Geld: Land und Stadt sind die Mehrheitseigentümer der Salzburg AG. Würden sie ihre Dividende Jahr für Jahr (2016 waren das für beide zusammen rund 20 Millionen Euro) in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs statt ins Budget stecken, käme dieser rasant vorwärts.

Mobilität braucht einen Konsens: Landeshauptmann und Bürgermeister sollten sich endlich entweder auf die Stadtregionalbahn oder ein Verkehrsmittel mit vergleichbarer Kapazität einigen. Salzburg braucht eine leistungsfähige Verbindung zwischen Nord und Süd, die über die Landeshauptstadt führt. Jeden Tag, der ungenutzt verstreicht, verliert Salzburg im Wettlauf um den besten Standort gegenüber anderen Regionen an Boden.

Mobilität braucht einen Plan. Stadt und Land müssen endlich die Verkehrsströme gemeinsam managen, die im Sommer in die Stadt fluten. Durch Einbindung der Bürgermeister und Hotellerie im Land, durch professionelle Information, durch attraktives Parken am Stadtrand mit schnellen und günstigen Verbindungen in die Stadt, durch klare Einfahrtsregeln. - Nichts von alledem gibt es derzeit.

Selbst der Publikumsmagnet Salzburg kann sich verkehrstechnisch nicht allzu viele Sommer wie den letzten leisten. Daher wäre der Winter die ideale Gelegenheit, sich auf den nächsten Sommer gewissenhaft vorzubereiten - der Altstadt und allen Salzburgern zuliebe.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 09:09 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/haslauer-und-schaden-ans-steuer-bitte-811675

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