Svazek und der Riess-Passer-Effekt

Die junge FPÖ-Chefin ähnelt der ehemaligen Vizekanzlerin. Sie ist hart in der Sache, verbindlich im Ton. Mit ihr soll die FPÖ für mehr Frauen und Bürgerliche wählbar werden.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Längst nicht alle Salzburger kennen Marlene Svazek. Aber kaum jemand kann der 24-jährigen FPÖ-Chefin derzeit entkommen. Sie lächelt von Riesenplakaten und sieht dabei einer ehemaligen blauen Poli tikerin erstaunlich ähnlich - Susanne Riess, die damals noch Riess-Passer hieß. Svazek agiert sogar wie die ehemalige Haider-Vertraute - hart in der Sache, konziliant im Ton. So wie sich Riess-Passer deutlich von der Buberlpartie unterschied, mit der sich Jörg Haider umgab, so unterscheidet sich Svazek von den Brachial-Rhetorikern, die für Heinz-Christian Strache Slogans und Reden schreiben. Svazek kann Wähler ansprechen, an welche die FPÖ nicht leicht herankommt: Frauen und Bürgerliche.

Dieser Tage flatterte eine Einladung zu einem "Business Lunch" mit FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer in die Redaktion. Als Veranstalterin tritt "Frau in Blau" auf, angeblich "das Netzwerk bürgerlicher Business-Ladies". In Wahrheit stammen Idee und Durchführung natürlich aus der blauen Parteizentrale. Bemerkenswert daran ist, dass Svazek sich das Etikett "bürgerlich" ans Revers steckt, das seit Jahrzehnten der ÖVP anhaftet. Sie will offensichtlich in ÖVP-Kernschichten vordringen. Arbeiter, die ehemals in der Sozialdemokratie heimisch waren, hat die FPÖ ja bekanntlich bereits in großer Zahl gewonnen.

Das muss Wilfried Haslauer und die Salzburger Volkspartei beunruhigen. Die Umfrage ergebnisse dürften die Sorge noch vergrößern. Diese Woche machten die SN eine SPÖ-Umfrage publik, die die ÖVP mit der FPÖ bei 27 Prozent gleichauf sieht. Nun sollte man Umfragen zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl nicht für bare Münze nehmen. Einen Trend aber zeigen sie an: Mit der FPÖ in Salzburg geht es deutlich bergauf.

Das schadet nicht nur der SPÖ, die schon seit vielen Jahren den Alleinvertretungsanspruch auf den "kleinen Mann" verloren hat. Das Erstarken der Freiheitlichen bringt erstmals auch die ÖVP massiv unter Druck. Und zwar in Kombination mit dem Auftreten der Neos. Die Volkspartei befindet sich in einer Sandwich-Position. Die Neos machen Druck von links, die Freiheitlichen von rechts.

Für die Neos hat der Hotelier Sepp Schellhorn mit seiner Kritik am Kammerstaat, an Überreglementierung und Bürokratie ein dankbares Thema gefunden. Es brennt vielen Wirtschaftstreibenden unter den Nägeln. Die ÖVP, gebunden an die Interessen von Wirtschaftsbund und Wirtschaftskammer, kann dem nicht viel entgegensetzen. Bestes Beispiel ist die Registrierkassenpflicht, die unter Federführung eines ÖVP-Finanzministers eingeführt wurde.

Die Neos werden der ÖVP den Boden in den Städten und Ballungszentren weiter streitig machen. Ein politisches Umfeld, in dem die Volkspartei ohnedies Defizite hat.

Die FPÖ hingegen macht der Volkspartei zunehmend auch im ländlichen Raum Konkurrenz. Man muss sich nur anschauen, welchen Zuspruch Norbert Hofer in tiefschwarzen Gemeinden schon im ersten Wahlgang hatte - zu einem Zeitpunkt, als der ÖVP-Kandidat Andreas Khol noch im Rennen war.

Mit den Themen Sicherheit und Zuwanderung lässt sich paradoxerweise gerade dort punkten, wo es wenig Kriminalität und Ausländer gibt. Einfach deshalb, weil die Menschen ihre vergleichsweise heile Welt vor den Bedrohungen von außen schützen wollen: Es soll so bleiben, wie es ist.

Natürlich spricht diese Sehnsucht auch die ÖVP als konservative Partei an. Aber sie unterliegt den Sachzwängen des Regierens. So muss sie jeden Tag Kompromisse mit dem grünen Regierungspartner eingehen, die in den Gemeinden nicht immer gut ankommen - weder in der Raumordnung noch in gesellschaftspolitischen Fragen.

Das eröffnet einer jungen Politikerin Chancen, die sich bodenständig und traditionsverbunden gibt. Mit Marlene Svazek ist zu rechnen.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 09:19 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/svazek-und-der-riess-passer-effekt-914719

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