Tamsweg liegt ferner als Wien oder Innsbruck

Versuchen Sie einmal, mit Bus und Bahn nach Tamsweg und wieder zurück zu kommen! Das sollte man allen Politikern unbedingt als Dienstfahrt verordnen.

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via konkret Sylvia Wörgetter

Stellen Sie sich vor, Sie leben in der Stadt Salzburg und müssen beruflich ein bis zwei Mal pro Monat einen Tag im Lungau arbeiten. Und stellen Sie sich weiters vor, Sie hätten kein Auto. - Dann ginge es Ihnen so wie jener Stadt-Salzburgerin, die tatsächlich glaubte, diese eigentlich einfache Anforderung ihres Jobs mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfüllen zu können. Sie musste sehr rasch erfahren, dass Tamsweg - obwohl Bezirkshauptort im Bundesland - ferner liegt als München, Innsbruck oder Wien.

Aber sehen Sie selbst:

Der so genannte "Expressbus", der Lungauer Pendler nach Salzburg bringt, fährt frühestens um 13.05 Richtung Tamsweg zurück. Also nimmt die Frau den Zug um 7.08 Uhr nach Bischofshofen, steigt dort in den Bus um und erreicht Tamsweg um 10.00 Uhr. Das macht fast drei Stunden Reisezeit, doppelt so lange wie mit dem Auto. Aber sei's drum.

Mit Risiken behaftet ist dann die Rückfahrt. Ein Bus verlässt Tamsweg zwar um 16.02 Uhr Richtung Bischofshofen; von dort geht es mit dem Zug weiter nach Salzburg (Ankunft 18.51 Uhr). Damit verläuft die Rückfahrt sogar etwas schneller als die Hinfahrt.

Blöd ist halt, dass der Bus nur an Schultagen verkehrt. Und was ist mit den Sommermonaten?

Gott sei Dank gibt es eine Stunde später noch einen Bus - diesmal nach Radstadt (17.02 Uhr bis 18.20 Uhr), von wo aus es per Zug weitergeht nach Salzburg (Ankunft 19.44 Uhr).

Bei genauerem Studium stellt sich laut ÖBB-Fahrplanauskunft Scotty heraus: Dieser Bus verkehrt nur im Winter; Mitte April ist Schluss. Was bedeuten würde: Im Sommer kommt man am Nachmittag nicht von Tamsweg zurück nach Salzburg. Es sei denn, man wählt einen Bus, der bereits um 15 Uhr fährt. Dann erreicht man - eh schon vier Stunden und vierzig Minuten später - die Landeshauptstadt. (Dass die Fahrplanauskunft des Salzburger Verkehrsverbundes angibt, der Bus fahre doch ganzjährig, macht den Ärger der Kundin noch größer: Was stimmt jetzt?)

Wer, bitte, verantwortet letzten Endes solche Verbindungen und Verwirrungen?

Es sind dieselben Politiker und Parteien, die die Förderung des ländlichen Raumes auf ihre Fahnen geschrieben haben (ÖVP); die den Individualverkehr eindämmen wollen, um Klima und Planeten zu retten (Grüne); die angeblich am besten die Bedürfnisse der Arbeitnehmer kennen (SPÖ). Und es ist ein Mobilitätsunternehmen, das mit dem Slogan wirbt: "Wussten Sie, dass alle Postbusse gesamt täglich zehn Mal um die Erde fahren?"

Der geschilderte Arbeitsweg in den Lungau und wieder zurück zeigt: Was den Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Bundesland betrifft, versagt die momentane schwarz-grüne Landesregierung genauso, wie bereits ihre Vorgängerin aus SPÖ und ÖVP versagt hat. Es passt ins Bild, dass der Verkehrslandesrat, wie unlängst geschehen, die Verlängerung einer Obuslinie um wenige Kilometer von der Landeshauptstadt nach Grödig als Meilenstein feiert. Das mag unfreiwillig komisch sein, zum Lachen ist es nicht.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich besagte Arbeitnehmerin für ihre Fahrten in den Lungau künftig in ein - geliehenes - Auto setzen wird; dass die Busse in den Lungau nur spärlich besetzt sind; dass der Lungau der einzige Salzburger Bezirk ist, der Einwohner verliert. - Und das wundert irgendjemanden?

Aufgerufen am 21.11.2018 um 07:24 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/tamsweg-liegt-ferner-als-wien-oder-innsbruck-362464

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