Wer kann Bürgermeister von Salzburg?

Bernhard Auinger hat das Rennen um die Nachfolge Heinz Schadens eröffnet. Welche Chancen er hat, hängt sehr von den Mitbewerbern ab.

Autorenbild
via konkret Sylvia Wörgetter

Salzburg ist eine Kleinstadt. Aber nicht irgendeine. Die Festspiele verleihen ihr internationale Ausstrahlung. Ihre Schönheit zieht Millionen Besucher an. Die Universität und die Privatuniversität fungieren als Magneten für junge Leute. Und die geografische Lage zwischen Südbayern und Norditalien macht die Stadt zu einem potenten Wirtschaftsstandort.

Aus all diesen Gründen sollte das Salzburger Stadtoberhaupt idealerweise einige Qualifikationen haben: Weltläufigkeit gehört dazu, Interesse an Kunst und Kultur sowie wirtschaftliche Kompetenz.

Wer kann das? Heinz Schaden. Und sonst?

Die Frage stellt sich erstens, weil Schaden 2019 nicht mehr für das Bürgermeisteramt kandidieren will. Und sie stellt sich zweitens, weil sein designierter Nachfolger Bernhard Auinger diese Woche beim Neujahrsempfang der Stadt-SPÖ den Anspruch auf das höchste Amt der Stadt gestellt und das Rennen um die Nachfolge des Langzeitbürgermeisters - Schaden regiert seit 1999 - eröffnet hat.

Auinger steht ab jetzt unter genauer Beobachtung. Kann er den Bürgermeister von Salzburg verkörpern? Bisher hat er noch kaum eigene Akzente gesetzt. Er hat noch zwei Jahre Zeit, zu überzeugen.

Anderen rennt die Zeit davon. Der Bürgerliste, zum Beispiel. Die Nachfolge von Johann Padutsch ist völlig ungeklärt. Und das, obwohl seit Langem bekannt ist, dass der Verkehrsstadtrat ebenfalls aufhören will. Im Wahljahr wird er 37 Jahre in der Stadtpolitik verbracht haben. Ziemlich sicher werden auch die beiden anderen "Urgesteine" der Bürgerliste, Helmut Hüttinger und Ulrike Saghi, ausscheiden. Ambitionen auf die Spitzenkandidatur werden Ingeborg Haller nachgesagt. Sie hätte dann auch bereits 15 Jahre Stadtpolitik hinter sich.

Zeit ist auch ein Faktor bei der ÖVP: Alles deutet darauf hin, dass Vizebürgermeister Harald Preuner neuerlich antritt. Eine respektable Kandidatur, aber alles andere als ein Aufbruch: Preuner wäre in diesem Fall bereits 20 Jahre in der Stadtpolitik. Es sei denn, die ehemalige Baustadträtin Claudia Schmidt kehrt doch noch aus dem EU-Parlament zurück, um in den Ring zu steigen. Dafür aber scheint ihr Rückhalt in der Partei zu gering.

Auch bei den Freiheitlichen spielt Zeit eine Rolle. Dort ist es nämlich an der Zeit, dass die Stadt-FPÖ ein Gesicht bekommt. Fünf Mitglieder hat der blaue Gemeinderatsklub, einer breiteren Öffentlichkeit ist keines davon bekannt. Daher drängt sich auch kein logischer Spitzenkandidat auf, am ehesten wohl noch Klubobmann Andreas Reindl.

Betrachtet man dieses Gesamtbild, ist eine Überlegung naheliegend: 2019 hätte ein Quereinsteiger oder eine Quereinsteigerin in die Stadtpolitik große Chancen. Mindestens ebenso viele, wie sie die Neos 2014 vorfanden und nutzten. Die pinke Truppe um Stadträtin Barbara Unterkofler profitierte von der Sehnsucht vieler Salzburger nach Erneuerung - nach einer Ewigkeit des Immergleichen in der Stadtpolitik.

Und 2019 dürfte die Sache nicht viel anders liegen - und das trotz des Abgangs der beiden so lange prägenden Politiker Heinz Schaden und Johann Padutsch. Denn das personelle Angebot für die Wahl 2019 sieht immer noch relativ alt aus. Das wissen natürlich auch die Parteistrategen. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass da oder dort noch ein Überraschungskandidat auftaucht, eine Persönlichkeit, die nicht im Schloss Mirabell politisch sozialisiert wurde.

Und die glaubwürdig sagt: Ich kann Bürgermeister oder Bürgermeisterin von Salzburg.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 07:05 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/wer-kann-buergermeister-von-salzburg-488326

Schlagzeilen