Wir leben in der besten aller Welten

Und Salzburg nimmt darin nochmals eine Sonderstellung ein. Das Land ist reich in vielerlei Hinsicht. Es hat daher viel zu verlieren, das es zu bewahren gilt.

Autorenbild
via konkret Sylvia Wörgetter

Mitteleuropa ist zum Leben eine der besten Ecken der Welt. Eine Region wie Salzburg nimmt darin nochmals eine Sonderstellung ein: Trinkwasser aus der Leitung, weitestgehende Sicherheit auf den Straßen und zu Hause, kostenlose Gesundheitsversorgung und Schule für alle, saubere Luft, friedliche Leute, eine florierende Wirtschaft, Zusammenhalt in der Gesellschaft, ein reiches kulturelles Erbe mit lebendiger Gegenwart, gesellschaftliche und religiöse Vielfalt, Toleranz und, und, und . . .

Weihnachten ist ein guter Zeitpunkt, sich bewusst zu machen, dass dieses uns so Selbstverständliche alles andere als selbstverständlich ist. Auch das ablaufende Jubiläumsjahr 2016 bietet Gelegenheit zur Standortbestimmung. Als Salzburg vor 200 Jahren zu Österreich kam, war es bitterarm und bedeutungslos. Heute gedeiht es in jeder Hinsicht.

Salzburg und seine Menschen dürfen stolz sein auf die Aufbau- und Ausbauleistungen, die sie erbracht haben. Dadurch wurde das Land zum Magneten, der Touristen ebenso anzieht wie Menschen, die hier dauerhaft ihre Zukunft suchen - seien das wohlhabende Pensionisten, die Salzburg als zweite Heimat wählen; seien es ausländische Arbeitskräfte oder seien es Schutzsuchende.

Die Rückbesinnung auf 200 Jahre Salzburg bei Österreich macht auch dankbar für das Glück, das dem Land widerfahren ist. Eines lag in dem Umstand begründet, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht an den Eisernen Vorhang grenzte, sondern an den freien Westen - mit all seinen intellektuellen, politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Wer 200 Jahre zurückblickt, kann dunkle Zeiten nicht ausblenden. Deren schrecklichste Zeit war jene unter dem Hakenkreuz, in der auch Salzburger massiv schuldig wurden. Eine der größten Leistungen nach dem zivilisatorischen Tiefstand bestand darin, eine stabile Demokratie und offene Gesellschaft aufzubauen.

Heute besitzt Salzburg in jeder Hinsicht - materiell wie ideell - sehr viel. Es hat daher auch sehr viel zu verlieren.

"Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert", lautet das berühmte Zitat aus dem Roman "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Salzburg steht so wie ganz Europa unter einem gewaltigen Veränderungsdruck. Migration, globaler Wettbewerb, Klimawandel - das alles macht keinen Halt vor vermeintlichen Inseln der Seligen. Wer seine Heimat aus Angst vor Veränderung nicht an die neuen Herausforderungen anpasst, der gefährdet die Errungenschaften der Vergangenheit.

Das ist es, worauf viele Unbequeme und Kritische immer wieder hinweisen, wenn sie Reformen wollen. Ihr Motiv ist das Bewahren des Guten durch dessen Anpassung an neue Gegebenheiten.

In Salzburg ist dieses Bewahren des Guten in den stürmischen letzten Jahren gut gelungen - am eindrucksvollsten im Zuge der Migrations- und Flüchtlingswelle. Und dies, obwohl teils diametral entgegengesetzte Vorstellungen darüber herrschen, wie den Herausforderungen und Bedrohungen - auch in Salzburg gab es Verhaftungen wegen Terrorverdachts - zu begegnen sei. Darüber entstanden aber nie Panik, Hass oder unversöhnliche Lager. Unterm Strich arbeitet ein ganzes Land daran, sich so zu verändern und zu entwickeln, damit alles so bleibt, wie es ist.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 09:44 auf https://www.sn.at/kolumne/via-konkret/wir-leben-in-der-besten-aller-welten-582229

Schlagzeilen