Die Kronen rollen auf das Pflaster!

 SN/bundesarchiv



Der Übergang von der Monarchie zur Republik

Der Krieg war nicht mehr zu gewinnen. Was sollte aus dem Deutschen Reich werden? Paul von Hintze, Staatssekretär des Äußeren, skizzierte Ende September 1918 drei mögliche Entwicklungen: Militärdiktatur, eine Revolution von unten mit Sturz der Hohenzollerndynastie oder - was nun versucht wurde - eine Revolution von oben mit einer parlamentarischen Regierung unter Miteinbeziehung gemäßigter Sozialdemokraten und Liberaler. Prinz Max von Baden (Bild) wurde Reichskanzler und versuchte, mit den Alliierten einen Waffenstillstand auszuhandeln. Deren Reaktion war kühl. US-Präsident Woodrow Wilson forderte nichts weniger als die Kapitulation Deutschlands; die deutsche Künstlerin Käthe Kollwitz hielt in ihrem Tagebuch dazu treffend fest: "Böse Enttäuschung. Die Stimmung für Verteidigungskrieg bis zum Ende wächst." Die Abdankung Wilhelms II. wurde unvermeidlich, die Monarchie als solches in Frage gestellt. Der Sozialdemokrat Hugo Haase stellte mit Blick auf die zerfallende Habsburgermonarchie fest: "Die Kronen rollen auf das Pflaster! […] Und da soll Deutschland allein, umgeben von Republiken, noch einen Kronenträger haben [...]?" Wilhelm zögerte. Daraufhin spielte Max von Baden den Medien die Falschnachricht zu, wonach der Kaiser abgetreten sei. Friedrich Ebert, Vorsitzender der SPD, übernahm die Amtsgeschäfte und verkündete: "Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue; es lebe die deutsche Republik!"

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