Als ich an der Uhr drehte

Autorenbild

Als Fünfjähriger traktierte ich meine Umgebung öfter, als ihr lieb war, mit: "Ich kenne schon die Uhr, ich kenne …" Zum Erwachsenwerden war es aus meiner Sicht nur noch ein kleiner Schritt. Mumps und einige Verschärfungen zügelten allerdings meinen Tatendrang. Ich lernte den Begriff Besuchszeit kennen. Vater hatte eine Idee. Ich durfte seine Armbanduhr im Spital behalten, damit ich immer weiß, wann es zwei Uhr ist. Ging die Tür nicht um Punkt zwei auf, wurde ich unruhig. Ich begann an der Uhr zu drehen. Immer wieder zurück auf ein paar Minuten vor zwei. Es beruhigte mich. Kürzlich lernte ich wieder die Vorzüge eines solchen Selbstbetrugs kennen. Was war das für ein Schreck beim Blick auf die Autouhr. Was? So spät? Bis es dämmerte: Ich hatte die Sommerzeit nicht umgestellt. Ich entschied, diese Uhr so zu lassen. Zum Genuss von zeitlichen Illusionen zwischendurch.

Weiterlesen wenn Sie mehr wissen wollen

7 Tage lang kostenlos und unverbindlich.

Ihr 7-Tage-Test ist bereits abgelaufen. Lesen Sie jetzt weitere 30 Tage kostenlos.

Mehr Infos

Sie sind bereits Digitalabonnent?

Aufgerufen am 16.10.2018 um 08:19 auf https://www.sn.at/kolumne/wie-ich-die-zeit-anhalte/als-ich-an-der-uhr-drehte-21930553